Noch 1080 Tage bis zum Schützenfest!

"So lange da was hängt, holen wir das"

"So lange da was hängt, holen wir das"

Das Los hat entschieden: Als 19. Zug geht „Kelleramt 5“ am kommenden Freitag zum Königsschießen. „Wir hoffen, dass der Rumpf dann noch hängt“, schmunzelt Zugführer Bernd Fischer. Am besten auch noch ein Flügel. Denn bis jetzt sind die Nachrodter immer leer ausgegangen. Keine Insignien weit und breit. Jetzt aber? „So lange da noch was hängt, holen wir das.“ „Der schönste Zug“ der Friedrich-Wilhelms-Gesellschaft freut sich jedenfalls riesig auf das Schützenfest in Altena.

„Wenn der Vogel vorher fällt, bevor wir dran sind, ist das auch nicht schlimm. Wir feiern den neuen König“, erzählt Bernd Fischer, der mit seinem Spieß Achim Bröcker 60 Schützen aus der Doppelgemeinde versammelt. Der einzige Zug außerhalb der Burgstadt ist einst aus den Zügen 3 und 4 Bahnhofstraße entstanden – in den 1960er Jahren.

„Die Gesellschaft hat sich damals darauf eingelassen, aber niemals geglaubt, dass er ein eigenständiges Leben führen kann“, erzählt der Zugführer, der seit 2008 das schöne und arbeitsreiche Amt innehat.

Tradition ist etwas Besonderes bei den Schützen – und augenscheinlich etwas, was viele Menschen begeistert. Auch junge Leute. Allein neun neue Mitglieder stießen in diesem Jahr zum Kelleramt Zug 5. Aber es gibt auch Nachrodt-Wiblingwerder, die in anderen Zügen beheimatet sind – zum Beispiel deshalb, um mit den Freunden aus alten Burggymnasium-Zeiten zusammen zu sein.

Wo auch immer sich die Schützen zugehörig fühlen: Seit drei Jahren gilt nur der Blick aufs nächste Fest. „Es ist ein Nach-Hause-Kommen. Man trifft immer Leute, die man ewig nicht gesehen hat“, erklärt Achim Bröcker die Faszination rund um die Feierlichkeiten.

Und natürlich ist es auch ein „Sehen und Gesehen werden“. „Im Anzug, kein Haufen Papageien“ „Wir präsentieren uns bei den Umzügen der Bevölkerung. Und die müssen auch erkennen, wer denn da vorbei gelaufen kommt. Die Kompanie hat ein eigenes Schild, und die Züge auch. Zugschildträger des Zuges 5 ist in diesem Jahr Tim Brandt. Das Schild zeigt rechts und links das Wappen der Stadt Altena und das Wappen der Gemeinde Nachrodt-Wiblingwerde. Auf dem Bild ist die alte Eisenbahn zu sehen, die im Kelleramt fuhr, und der Selvebogen. „Weil unser altes Schild etwas langweilig war, und wir die Unterstützung von Reiner Merz hatten, sind wir auf die Form des Festabzeichens gekommen. In der Mitte haben wir das Kompanielogo. Die Wappen sollen zeigen, dass wir das Bindeglied der Kommunen sind“, erzählt Bernd Fischer, der auch noch das allererste Schild des Zuges hat.

Und der Name Kelleramt? Das Kelleramt erstreckt sich quasi von Hohenlimburg bis nach Werdohl. Das Kelleramt umfasste einst alle Höfe und Ländereien, die die Burg versorgt haben. Die Nachrodter sind beim Thema Schützen keine Nachrodter, sondern Teil der Friedrich-Wilhelms-Gesellschaft. Und als solche wollen sie übrigens bei den Umzügen auch schön aussehen. „Also wird der Zug möglichst im Anzug oder in dunkler Kleidung erscheinen. Damit das nicht aussieht wie ein Haufen Papageien“, lacht Bernd Fischer.

Bei aller Vorfreude auf das Festgeschehen, gibt es bei den Mitgliedern des Zuges 5 im Moment auch ein bisschen Wehmut. Denn am Montag und Dienstag werden sie das letzte Mal in der Rastatt sein. „Das war zentraler Mittelpunkt für uns“, sagt Achim Bröcker. Und Bernd Fischer ergänzt: „Wir haben uns dort immer wohl und aufgehoben gefühlt. Anke Ahlers hat das immer hervorragend gemacht. Wir schmücken am Montag die Rastatt. Die Wirtin bekommt eine Ehrenpforte von uns. Und es ist ein Abschied“, ist Bernd Fischer sehr enttäuscht. Christina Westerwell wird etwas deutlicher: „Kommunalpolitisch hingerichtet wurde die Rastatt.“

Ändern können die Schützen die Schließung der Traditionsgaststätte nicht. Und so sind sie jetzt froh, dass sie in der Gaststätte „Zur schönen Aussicht“ in Wiblingwerde „unterkommen“ können. „Einige Schützen sind jahrelang von oben ‘runtergekommen, jetzt geht es mal andersrum“, ist Achim Bröcker froh, dass es eine Lösung gibt. Denn wichtig ist auch das Leben zwischen den Schützenfesten – mit Stammtischen (6. Juli erstmals nach dem Schützenfest bei Winkhaus), Picknicks und Winter-Wanderungen.

Text / Foto: Susanne Fischer-Bolz / AK

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