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1534 - 1566

1534 - 1566

1534 regelt der Rat von Altena Zuzugsrecht und die Zulassung zum Bürgerrecht.
Hiernach muß ein Zugezogener, der das Drahthandwerk betreiben will, ein Einzugsgeld zahlen, worauf er das Bürgerrecht erhält. Zuvor muß er ein Jahr zur Probe in Altena bleiben. Auswärtige Eheleute werden nicht zum Drahthandwerk zugelassen, sondern müssen sich von ihrem „mitgebrachten Gewerbe“ ernähren. Wenn ein Auswärtiger eine Witwe oder eine Bürgerstochter „vom Draht“ heiratet, werden ihre Kinder für das Drahthandwerk zugelassen.

Bürgermeister und Rat verbieten bei Strafe mit Einwilligung aller Bürger das Glücksspiel um Geld mit Karten und Steinen. Nur Ball- und Brettspiele bleiben erlaubt. Ein Wirt, der solche Spiele duldet, wird auch bestraft, ebenso heimliche Spieler, wobei derjenige, der diese Tat zur Anzeige bringt, eine Belohnung erhält.

Das Abbrechen von Zäunen sowie Garten- und Holzdiebstahl werden unter Strafe gestellt, ebenfalls der grundlose Aufenthalt bei Nacht auf der Straße.

 

Das Amt Altena ist 1537 an den Marschall Wilhelm von Nesselrode für 3000 Gulden verpfändet. Er soll abgesetzt werden, und das Amt soll das Geld zur Auslösung aufbringen. Infolge Dürre, Mißernten und Arbeitslosigkeit in den Rollen wegen Austrocknung der Gewässer zieht sich die Löse bis ins Jahr 1541 hin.
Die Freiheit Altena verweigert eine Beteiligung an der Zahlung mit der Begründung, man habe sich nie um die Angelegenheiten des Amtes gekümmert wie auch umgekehrt. Sie sitzen vor der herzoglichen Burg und haben eigene Freiheit und Recht. Außerdem sehen sie keinen Anlaß, zur Ablöse des Amtmannes beizutragen, von dem sie „kein leydt oder ungemach, sondern alle frundschafft“ erfahren haben.

Im Dezember ernennt Herzog Johann den Priester Johannes Kloick zum Rentmeister des Amtes und Landes von Altena und befiehlt allen Amtsleuten, Richtern, Fronen, Pächtern und sonstigen Untertanen, ihm zu gehorchen.

Der Herzog befiehlt dem Wilhelm van Nesselrait, die Burg Altena samt Zubehör an den Burggrafen Adolph Hamrait zu übergeben. Der Iserlohner Amtmann Varnhagen soll Hamrait vereidigen.

 

Am 22. März 1538 ernennt Herzog Johann den Bernhard vom Neuenhofe zum Amtmann über Freiheit, Schloß und Amt Altena mit der Auflage, das Schloß mit sechs wehrhaften Männern zu besetzen, darunter ein Burggraf, drei Reisige (bewaffnete Reiter), ein Wächter und ein Pförtner.
Dafür erhält er jährlich 70 Gulden, 60 Malter Hafer für die Pferde, Heu aus der Wiese zu Dresel, 600 Hühner und die Fischerei in der Lenne, „wo die boven und beneden der bruggen gelegen“, dazu das Recht, 30 Schweine in die herzoglichen Marken zu treiben, wenn Mast ist.

Im gleichen Jahr wird in Altena die Reformation eingeführt.
Johannes Lycaula oder Wolfstall aus dem Herzogtum Berg beginnt hiermit in Altena als der zweiten Stadt in der Grafschaft Mark nach Soest.
1539 wird er als Wiedertäufer beim Herzog angeklagt und darauf seines Amtes enthoben.
Johanns Schwester, die Gräfin Anna von Waldeck, setzte ihn als Prediger zu Korbach ein.

Insgesamt verhält sich Johann III. in der Reformationszeit ausgleichend zwischen Katholiken und Protestanten.

 

Johann III. stirbt 1539 und übergibt das Herzogtum an seinen einzigen Sohn Wilhelm V. (den Reichen) Herzog etc. (1539 – 1592).
Wilhelm V. heiratet 1546 in zweiter Ehe die Erzherzogin Maria von Habsburg, Tochter des späteren Kaisers Ferdinand I., Nichte von Kaiser Karl V.
Er ist der Schwager von Heinrich VIII. von England, der Wilhelms Schwester Anna 1540 zur Gemahlin genommen hat.

Wilhelm der Reiche, Stich von Heinrich Aldegrever, 1540; Bild gemeinfrei

 

1540 bestätigt Wilhelm der Freiheit Altena ihre Privilegien, wie sie ihr von Graf Adolf, Graf Engelbert und den Herzögen und Grafen von Kleve und der Mark gegeben wurden.

 

Herzog Wilhelm leiht sich 1543 von seiner Tante Anna von Kleve, Witwe von Waldeck, 3500 Gulden „zur Rettung unseres Landes und Leute und Gegenwehr in der Burgundischen Fehde“ und verschreibt ihr dafür eine erbliche Jahresrente von 210 Gulden aus den Einkünften des Amtes Altena, das ihr zusätzlich als Unterpfand gegeben wird. Der Rentmeister Johann Cloick zu Altena soll diese Schuld als seine eigene Schuld ansehen und bezahlen.
Die Rente an Anna wird am gleichen Tage um 30 Gulden erhöht, weil „sie uns in unsen itzigen noeden hondert centener specks voir 400 Gulden und 200 malder haveren vor 100 Gulden“ geliefert hat.

 

1546 Wilhelm bestätigt, daß die von Ritterschaft, Städten und Untertanen genehmigte Türkensteuer (Steuer zur Finanzierung der Abwehr der nach Europa vordringenden Türkenheere) die Rechte und Privilegien der Untertanen nicht beeinträchtigt. Dem Amtmann zu Altena, Bernd von Neuenhoff, schreibt er, daß die Eingesessenen von Altena diese Steuer wie „die vom platten Lande“ bezahlen müssen.

Peter Smalenberg wird Freigraf (Vorsitzender des Femegerichts) zu Altena als Nachfolger von Kaspar Niehoff.

 

Herzog Wilhelm schlägt 1547 als Nachfolger des verstorbenen altenaer Pastors Johann Sybertus den Priester Engelbertus Cloick aus Lüdenscheid vor, der die lutherische Lehre durchführt.

 

Seit 1554 ist Altena Mitglied der Hanse und wird dort durch die Städte Hamm und Unna vertreten.

 

Am 2. Mai 1557 beschließen Bürgermeister, Rat und sämtliche Bürger von Altena, daß Reidemeister, die Brot einkaufen und wieder verkaufen, nicht mehr als 1 Pfennig pro Brot aufschlagen dürfen. Zuwiderhandlungen werden mit einer Brüchte (Strafgeld) von 4 Schilling bestraft.

Am 26. Mai ernennt Herzog Wilhelm den Amtmann von Iserlohn, Jaspar Lappe, zum Nachfolger des verstorbenen Ernst von Bolswing zum Amtmann über Freiheit, Schloß und Amt Altena, über Vest Lüdenscheid und Amt Breckerfeld. Er soll mit weiteren sechs wehrhaften Mannen das Schloß Altena bewohnen, darunter drei Reisige, ein Burggraf, ein Wächter und ein Pförtner. Er erhält dafür jährlich 70 Gulden, 60 Malter Hafer, Heu von der Dreseler Wiese, 600 Hühner, die Fischerei auf der Lenne ober- und unterhalb der Brücke, die Genehmigung zur Mast von 30 Ferkeln, Feuerholz für das Schloß, die zwei Kohlgärten vor der Burg, außerdem Fische zu den vier kirchlichen Hochfesten zur Bewirtung der Geistlichen sowie je ein Fuder Holzkohlen aus der Winkeler und der Lennemark. Die Dienste der Amtsinsassen bleiben wie bei seinem Vorgänger bei Zahlung von 100 Talern und 100 Malter Hafer abgelöst.

 

Im Jahr 1559 beträgt der Anteil für die Freiheit Altena an der Türkensteuer 12 ½ Gulden.

Die Freiheit Altena beschwert sich beim Bürgermeister der Stadt Soest, daß der Soester Bürgermeister Dirich Koppersmet die bestellte neue Braupfanne noch nicht ausgeliefert hat, obwohl er die alte Braupfanne „sampt etlichen penningen“ als Zahlung erhalten hat.

Am 2. November verbietet Herzog Wilhelm die Anlage neuer Osemundschmieden in Altena wegen der Waldschäden, weil das Holz „vast verhouwen, tho kalen verbrant und in den smytten verbruickt“ wurde.

 

Jacob Clos erhält 1562 die Stelle des verstorbenen Priesters Joh. Cloick an der Kapelle St. Barbara und Margarethe auf dem Kettelsberg.


Am 12. April 1564 beschließt der Rat der Freiheit Altena, daß die Bäcker, die Pferde halten, wenigstens zwei mal jede Woche Roggenbrot backen sollen, sonst müssen sie ihre Pferde abschaffen. Tun sie dies aus Mutwillen nicht, verlieren sie Bürgernahrung und Bürgerrecht, und die Öfen werden ihnen eingeschlagen.

Am 28. November 1565 teilt Herzog Wilhelm dem Amtmann Jasper Lappe zu Altena und Breckerfeld mit, daß Simeon von Diest Hogrefe (niederdeutschen Amtsbezeichnung für einen ordentlichen Richter an einem Gogericht) zu Breckerfeld wird.

 

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Autor: Christian Klimpel / 2016; Mailto: christian.klimpel@gmx.de

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