Noch 253 Tage bis zum Schützenfest!

1567 - 1600

1567 - 1600

1568

Nachdem das Fürstentum Jülich beim Durchzug Uranischen Kriegsvolks viel Schaden erlitten hat, bietet Herzog Wilhelm zur Abwehr weiterer Angriffe seine Lehnsleute zum 7. Oktober 1568 nach Dinslaken auf. Sie sollen dort abends „mit guten Pferden, bedecktem Haupt (Helm), Harnisch und Büchsen oder Spießen selbst wohl gerüstet“ erscheinen oder einen gleichgerüsteten Ersatzmann schicken. Im Amt Altena werden 15 Mann aufgeboten.

 

Die 1570 durch Hochwasser zerstörte Steinerne Brücke wird neu erbaut.

 

1574 brennt der Stadtteil Nette vollständig nieder.

Amtmann Jaspar Lappe und Wildförster Johann Clos erhalten Mutungsrechte auf Eisenstein am Dahler Ossenberg zur Giebel hinauf.

Drost Lappe teilt dem Bürgermeister und Rat der Freiheit Altena ein Urteil des Vest Lüdenscheid zur Befolgung mit, wonach Schuldner, die nicht zahlen, wenn sie sich nicht selbst beköstigen können, so lange bei Wasser und Brot im Gefängnis bleiben, bis sie die Obrigkeit und die Gläubiger zufriedengestellt haben. Der Gläubiger muß für die Unterhaltskosten im Gefängnis bürgen.

 

Herzog Wilhelm ernennt 1575 den bisherigen Priester der Kapelle auf dem Kettelsberg, Jacobus Cloß, zu seinem Sekretär; Nachfolger wird der Priester der Kölner Diözese, Hermann Cloick.

 

1578 findet ein Vogelschießen der Schützen erste urkundliche Erwähnung.
In den Jahren 1578 bis 1588 verfügt die Ritterschaft in den Ämtern Altena und Iserlohn über 39 Pferde.

 

Am 31. August 1579 beschädigt eine Feuersbrunst die Kirche zu Altena, die Glocken sind geschmolzen, Rathaus und Schule sowie 200 Häuser in der Freiheit und im Mühlendorf sind zerstört.
Der Herzog stellt umfangreiche Hilfe zur Verfügung und ruft zu einer Kollekte zum Wiederaufbau der Kirche auf.

Wegen der schlechten Geschäfte im Drahthandel wenden sich Bürgermeister und Rat an den Drosten Lappe, der eine Ergänzung zur bisher bestehenden Drahtordnung erläßt. So soll durch gute Kontrolle die Ausfuhr von schlechtem Draht vermieden werden. Wer anderen Reidemeistern die Knechte abwirbt, wird bestraft, ebenso, wer fremden Draht unterschlägt.

 

Um 1580 wurde das Diest-Schloß am Bungern zu Altena gebaut. Zeichnung am Fuß des Stammbaums zu Daber.Nicht zeitgenössische Zeichnung von Meta von Diest.

1580 werden 80 Häuser in der Freiheit durch Brand zerstört.

 

Die Altenaer bitten den Herzog, die in Iserlohn widerrechtlich neu erbauten Drahtrollen wieder abzuschaffen und ein Verbot des Baues neuer Drahtrollen an anderen Orten auszusprechen, damit die armen Altenaer nicht zur Auswanderung und zur Übertragung des Handwerks ins Ausland gezwungen würden.

 

Um 1580 wird außerdem eine Abschrift der Schützenordnung von 1429 angefertigt. Diese Abschrift existiert noch heute. Eventuell wurde auch Schützenfest gefeiert, denn es wurden neue Schützenhüte mit Rand und Federn bestellt.

Ältestes Schützenzeichen; vermutl. aus dem 16. Jahrhundert

 

Am 14. April wird der Hogreve zu Breckerfeld, Symon van Diest, Rentmeister zu Altena. Er soll alle fürstlichen Abgaben einziehen und Rechnung ablegen, wobei ihn die anderen Beamten unterstützen sollen.

Am 1. Mai beschließen Bürgermeister und Rat der Freiheit, daß der Freiheitsknecht zweimal in der Woche die Bäcker kontrollieren soll. Wer nicht zweimal gebacken hat oder Weißbrot zu leicht backt, wird bestraft.
Außerdem darf kein Bäcker ohne Besichtigung und Wissen des Bürgermeisters Draht ausführen. Zuwiderhandlungen werden mit Beschlagnahme von Pferden und Draht bestraft.

 

Die im Vorjahr durch Brand zerstörte Kirche wird neu aufgebaut.


Herzog Wilhelm setzt 1583 die Reform zur Verbesserung des Kalenders im Römischen Reich in seinem Herrschaftsgebiet um, indem 10 Tage des laufenden Jahres ganz entfallen. Anstatt des 17. Novembers wird der 27. gezählt, dem gleich der 1. Dezember 1583 folgt.

 

Die Altenaer Kirche wird 1584 vom Volk gestürmt und der letzte katholische Geistliche vom Altar weggerissen. Vermutlich handelt es sich hierbei um den Pastor Dietrich von Horn, der aber nicht katholisch, sondern calvinistisch war.
Horn wird von Bürgermeister und Rat mit einem ausgezeichneten Zeugnis dem Johan von Ruespe zu Brüninghausen für die Pastoratsstelle in Ohle empfohlen.

 

Merten zu Einsal, der Mittäter beim Totschlag des Joh. Snydwint ist, wird 1588 nach Versöhnung mit den Freunden des Getöteten und einer Geldzahlung an den Rentmeister zu Altena vom Herzog begnadigt.

 

Herzog Wilhelm verpfändete die Mühle in der Freiheit an seinen Amtmann Caspar Lappe wegen eines Darlehens von 500 Goldgulden und 1250 Reichstalern.
Das Geld benötigte er für die Hochzeit seines Sohnes, Jungherzog Johann Wilhelm.
Lappe soll die im Jahre 1578 eingesetzten 4 neuen Mühlsteine bei Bedarf erneuern und „das Mühlenhaus und andere Mühlenwerk von innen und außen in gutem Zustand und Notbau unterhalten“.

 

1591 kommt es zu Streitigkeiten und Prozessen zwischen dem Drosten Caspar Lappe und dem Rentmeister Simeon von Diest.
Lappe wird 1592 abgesetzt, und der Amtmann Ovelacker übernimmt 1593 die Pfandschaft für die Mühle unter Erhöhung der Pfandsumme auf 1790 Reichstaler.

 

Herzog Wilhelm V. hat folgende Nachkommen:
Marie Eleonore, verheiratet mit Albrecht Friedrich von Preußen,
Anna, verheiratet mit Philipp Ludwig von Pfalz-Neuburg,
Magdalene, Karl Friedrich, Elisabeth, Sibylle und Johann Wilhelm.

 

Johann Wilhelm, einziger Sohn, übernimmt 1592 als Johann Wilhelm I. (der Gute) Herzog etc. (1592 – 1609), vormals Bischof von Münster, das Herzogtum.

Johann Wilhelm, Kupferstich von Dominicus Custos (1600–1602); gemeinfrei

Bei seinem Regierungsantritt ruhen auf den Patrimonialgütern in Kleve und Mark Schulden in Höhe von 836 665 Reichstaler, 51 Schilling und 4 Deut. In der Grafschaft Mark haben sich allein in der Rentei Altena 19 650 Reichstaler 25 Schilling an Schulden angesammelt. Damit steht Altena an dritter Stelle hinter Hamm (75 989 Reichstaler) und Hörde (21 053 Reichstaler).

Im gleichen Jahr beschwert sich die Bürgerschaft beim Rat der Freiheit wegen der Überproduktion an Draht, die die festgelegte Menge übersteigt. Wegen der Vermehrung der Bürgerschaft wird die Produktion von Schmiededraht gesteigert. Jeder Reidemeister darf auf zwei eigenen Feuern noch täglich 3 Stück Draht schmieden lassen, Reidemeister ohne eigene Schmiede dürfen ebensoviel in Lüdenscheid kaufen.

Wegen der vielen Unterschlagungen beim Glühen des Drahtes wird die Bestimmung der Drahtordnung, daß jeder Knecht geloben muß, seinem Meister dessen Draht wieder zu liefern und ihn nicht durch schlechteren zu ersetzen, von neuem eingeschärft.

Johann Wilhelm ernennt seinen Stallmeister Dietrich Ovelacker zu Wischlinck zum Amtmann über Schloß, Freiheit und Amt Altena, das Vest Lüdenscheid und die Ämter Breckerfeld und Iserlohn. Ovelacker selbst soll mit 6 wehrhaften Männern auf dem Schloß wohnen.

 

Herzog Johann Wilhelm setzt 1593 für die Klusenvikarie den Symon von Diest, Sohn des Rentmeisters, ein.

 

1595 zählt die Schützengesellschaft 103 verordnete Schützen. Sie bestellen "sieben Dutzend Hüte mit Krensen" (soll wohl heißen mit Rand) in Köln. Hinzu kommen sieben Dutzend "Plümen" oder Federn.

Die Kleidung der Schützen könnte demnach in etwa so ausgesehen haben wie auf dem Bild: Historische Uniform eines Scheibenschützen im 16. Jahrhundert.

 

Am 13. September werden in Evingsen Drahtzieher vereidigt.

 

Am 25. März 1596 wenden sich die Adligen des Amtes Altena mit einer Beschwerde an den Drosten Ovelacker: Er möge das Amt bei alten Rechten und Privilegien halten und bei der Obrigkeit auf Einhaltung der Justiz dringen. Allerhand Laster wie Ehebruch, Blutschande und Hurerei seien eingerissen, ohne daß die Schuldigen bestraft würden. Die Obrigkeit möge die Verbrecher ohne Ansehen der Person strafen. Sie prangern an, daß die Backhäuser voll Bettler, Huren und Hurern liegen. Eine weitere Aufforderung ist, fremde Bettler auszuweisen. Außerdem fordern sie für sich die gleiche Rechtsprechung wie für die Adligen im übrigen Land.

 

Von November 1598 bis April 1599 bezieht das Spanische Heer des Admirals Mendoza nach dem Waffenstillstand mit den Niederlanden Winterquartiere in der Grafschaft Mark. Es sind zwar genaue Bestimmungen für Unterbringung, Verpflegung und Verhalten der Truppe erlassen worden, aber die zügellosen und schlecht bezahlten Soldaten halten sich nicht daran. Das Land wird erbarmungslos ausgesogen und die Bewohner grausam behandelt. Auch das Amt Altena bekommt Einquartierungen, aber die Freiheit Altena wird davon verschont.

 

Um 1600 soll der Altenaer Reidemeister Johann Gerdes die Technik des Stahldrahtziehens entwickelt haben. Die Oberfläche des geschmiedeten Stahldrahts setzt beim Glühen eine zähe Öl- und Rußschicht an, die den Zug durch das Zieheisen unmöglich macht. Gerdes setzt Urin als Beizmittel für den Draht ein. Nach dem Beizen kann der Zunder auf einer sog. „Polterbank“ abgeschlagen werden.

Bild: Gerd Klimpel / 2011

 

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Autor: Christian Klimpel / 2016; Mailto: christian.klimpel@gmx.de

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