Noch 253 Tage bis zum Schützenfest!

1767 - 1800

1767 - 1800

Der Landmesser Johann Heinrich Merner fertigt 1768 eine Landkarte über die „Distence von einer Stunde um Altena (zu Fuß), worinnen das Holtz verkohlen verbotten worden zur Conservation und Besten dieser importanten Stahl- und Draht Fabrique“ mit der Darstellung aller Drahtrollen.

Um 1770 klagt der Kommandant der Burg Altena, von Vogel, das Dach sei verfallen, er sei der Witterung ausgesetzt, in seinem Schlafzimmer usw. seien Regen, Schnee und Sturm.

Die Kammer in Hamm schlägt dem Generaldirektorium in Berlin vor, man möge überlegen, ob es nicht sinnvoll sei, das Schloss zu verkaufen. Das zu dieser Zeit dort befindliche Gefängnis solle dann nach Hamm verlegt werden.

  

Der in Hamm stationierte preußische Generalleutnant Karl Friedrich von Wolffersdorff erkundet die Örtlichkeiten in Südwestfalen und kommt auch nach Altena. Beim Anblick der kräftigen Drahtzieher wächst in ihm der Gedanke, diese jungen Männer für den Wehrdienst zu rekrutieren, was aber dem Privileg des Königs von 1742 widerspricht. Die Altenaer wehren sich erfolgreich und beschweren sich bei König Friedrich.

Eine Sage erzählt den Vorgang so: Im Jahre 1742 vergibt König Friedrich II. der Große von Preußen, genannt der "Alte Fritz", das Privileg für die Altenaer Zöger (Drahtzieher), daß sie nicht zum Wehrdienst herangezogen werden.
Als 1770 der Generalleutnant Karl Friedrich von Wolffersdorf, der Kommandeur des preußischen Infanterieregiments in Hamm, die Örtlichkeiten in Südwestfalen erkundet und von Hamm nach Altena reitet, findet er dort große kräftige Männer vor, die auf den Rollen den Draht ziehen.
Wolffersdorf erkennt in den geschwärzten Gesichtern mutig blitzende Augen, und er läßt die Worte fallen: "Schöne kräftige Leute! Schade, daß sie nicht Soldat sind."

Diese Worte dringen auch bis zu den Altenaern vor und das Gerücht nimmt den Umlauf, daß Wolffersdorf gewaltsam Soldaten in Altena zum Militär zwingen wolle.
Im Handumdrehen wird ein Plan geschmiedet, wie man sich dem Generalleutnant widersetzen will.
Und tatsächlich kommt er mit seiner Leibkompanie über den Wixberg und will zum Iserlohner Tor in die Stadt einrücken, um die Aushebung vorzunehmen.
Aber die kräftigen Altenaer Drahtzieher haben keine Angst; als sie die Soldaten von den Höhen herabkommen sehen, besetzen sie das Iserlohner Tor, die engste Stelle auf dem Wege, den Wolffersdorf nehmen muß. Alle Glocken der Stadt läuten Sturm, und von allen Seiten kommen die Zöger herbeigelaufen mit glühenden Stangen, die sie den Soldaten entgegenhalten; die Älteren, die nicht mehr kämpfen können, bringen immer neue glühende Eisen heran, die Frauen gießen siedendes Wasser von den Dächern auf die Köpfe der Truppen.

Die Soldaten haben die Gewehre nicht scharf geladen, denn mit diesem Widerstand haben sie nicht gerechnet.
Nach 2 Stunden Kampf, der auf beiden Seiten Verwundete kostet, muß der Generalleutnant Wolffersdorff unverrichteter Dinge wieder abziehen.
Der Bürgermeister von Altena zeigt diesen ungeheuerlichen Vorgang dem König an, der darauf zwar keinen Bescheid erteilt, aber gegen Wolffersdorf folgende Kabinetts-Order erläßt:

„Mein lieber General von Wolffersdorf!
Es ist speziell angezeigt worden, welche Disturbationen Er in dem Städtchen Altena in der Grafschaft Mark
gemacht hat. In Erwägung seiner sonstigen Meriten will ich diese mauvaise Geschichte für diesmal
pardonnieren, werde ihn aber nach Spandau schicken; wenn er je eine ähnliche Abnormität sich sollte zu
Schulden kommen lassen.
Sans-Souci, den 11. August 1770.
Friedrich."

Diese Begebenheit verdeutlicht, wie wichtig die Drahtindustrie in Altena war und genommen wurde.

 

 

Die preußische Garnison auf der Burg wird 1771 aufgelöst. Die Stadt Altena kauft die nicht zum Criminalgericht und Gefängnis gehörenden Teile der Burg für 800 Reichstaler und richtet ein Waisen- und Armenhaus ein.

 

Bis 1775 wird das Gefängnis stärker gesichert und vom Verlies im Erdgeschoß des Bergfrieds in die oberen Geschosse des Turms und in die sog. Frauenkammer unter den heutigen Kapellengebäude verlegt.

 

1777: Am anderen Ende der Welt erklären die USA ihre Unabhängigkeit von Großbritannien.

 

1778 beginnt die Armenspeisung auf der Burg Altena. In dem Armenhaus sind ältere Menschen, Behinderte, Epileptiker, Waisen usw. untergebracht.

 

1780 Wird Altena von einem Hochwasser heimgesucht.

 

1782 wird in Altena von Johann Caspar Rumpe eine Nähnadelfabrik gegründet und 1784 werden dort katholische Nadelarbeiter aus Aachen angeworben, die sich in Altena ansiedeln und die erste katholische Kirchengemeinde seit der Reformation begründen.

 

Pastor Lewdey hält 1784 nach 200 Jahren erstmals wieder katholischen Gottesdienst ab.

 

 

Friedrich der Große stirbt 1786, sein Neffe König Friedrich Wilhelm II. (Der dicke Lüderjahn) von Preußen (1786 – 1797) folgt ihm in der Regierung.

Friedrich Wilhelm II., porträtiert von Anton Graff,1792; gemeinfrei 

 
Am 08. Juni 1788 besucht Friedrich-Wilhelm II. die Freiheit Altena – ein bedeutender Besuch für die heimische Industrie, der die gesamte Bevölkerung in riesige Freude versetzt. Die Menschen schmücken die Stadt, jubeln ihrem Monarchen zu und finden wieder Lust an der gemeinsamen Feier. Bürger und Schützen wollen sich fortan Friedrich-Wilhelms-Gesellschaft nennen.

 

1789 im Jahr der französischen Revolution - wird Altena als große Fabrikstadt bezeichnet.

 

J.C. Rumpe läßt 1790 den Durchstich durch den Hünengraben durchführen.

 

Die Altenaer Schützengesellschaft erhält 1791 durch "Kabinettsordre" das Recht, sich nach dem preußischen König „Friedrich-Wilhelms-Gesellschaft“ zu nennen.

 

1792-1815: Napoleonische Kriege in Europa

 

1794: Obwohl Altena nie Stadtrecht verliehen wurde, wird die Freiheit Altena durch ein neues allgemeines preußisches Landrecht zur Kreisstadt

 

Nachfolger von Friedrich Wilhelm II. wird 1797 sein Sohn König Friedrich Wilhelm III. von Preußen (1787 – 1840)

 

Der altenaer Bürgermeister und Nadelfabrikant Johann Caspar Rumpe erhält die Erlaubnis, auf der Burg Steine aus der „Alten Kirche“ zu brechen und zum Bau seines Wohnhauses zu nutzen.

 

1798 wird die Große Brücke als „untere Fahrbrücke“ bezeichnet.

 

1800 wird in Altena wird eine Ordnung für die Nähnadelfertigung erlassen und wird das Drahtschmieden mit Wasserkraft untersagt.

Nach Eversmann ist die Altenaer Drahtindustrie „die älteste und bedeutendste der ganzen Welt. In 104 Drahtrollen befinden sich 99 Bankzögersbänke, 123 Kleinzögersbänke und 191 Winnen. Jährlich werden 148000 Stück Draht (ca. 740 t.) und 177 t. Stahldraht für Nähnadeln und Fischangeln produziert. Der jährliche Holz(kohle)verbrauch beträgt 30.000 Karren zu 691 Pfund = 10.000 t. Zum Ziehen des Drahtes benötigt man 10.000 Kannen Öl = 12000 l.

 

__________________________________________________________________

Autor: Christian Klimpel / 2016; Mailto: christian.klimpel@gmx.de

Zurück