Noch 254 Tage bis zum Schützenfest!

Schützenlexikon

Archiv

Das Archiv der Schützengesellschaft umfasst zahlreiche Dokumente, Zeichnung, Bilder und Insignien. Die wertvollsten Stücke werden im Museum der Burg Altena verwahrt und auch ausgestellt. Das älteste Dokument ist eine neben einer Mitgliederliste, die man aufgrund der darin erwähnten Namen auf das Jahr 1595 terminieren kann, unsere älteste erhaltene Schützenordnung. Sie wurde um das Jahr 1580 niedergeschrieben. Anhand der dort aufgeführten Namen ist aber davon auszugehen, dass diese Ordnung aus dem Jahre 1429, also der Zeit des 100jährigen Krieges (1337-1453) stammt.

 

Weitere Unterlagen des Archivs lagern in feuerfesten Schränken im Bungernhaus.

 

Wie Lebrecht Knipping das Archiv wiederfand

Während der Nazi-Diktatur wurde die Eigenständig von Vereinen, so auch der Friedrich-Wilhelms-Gesellschaft, massiv eingeschränkt. Die Schützen machten sich Sorgen um das Fortbestehen der Gesellschaft, das Kapital (insb. die Königskette mit dem Kleinod) und das historische Archiv. Dieses wurde an einem unbekannten Platz versteckt. Nach dem Krieg und der Wiedergründung der Friedrich-Wilhelms-Gesellschaft war es der spätere Ehrenscheffe Lebrecht Knipping, der die Unterlagen 1950 wiederfand. Er erinnerte sich in der Schützenzeitung 2003:

 

"Es ist eine bekannte Tatsache, dass die Nationalsozialisten alle Bereiche des Lebens durchdringen wollten. So verstärkte sich auch bei der Friedrich-Wilhelms-Gesellschaft während der Nazi-Zeit dieser Eindruck, so dass man, um unliebsame Eingriffe zu vermeiden, das gesellschaftseigene Archiv an einen für die Partei unbekannten Ort verstecken musste. Das geschah dann auch in aller Heimlichkeit. Ehrenscheffe Lebrecht Knipping weiß aus gutem Grund noch einiges darüber, denn nach dem Krieg war er es, der es schließlich suchen musste.

Zum Hintergrund: Das erste Schützenfest nach Kriegsende fand 1950 noch unter Aufsicht der britischen Besatzungsmacht statt. Am 30. Mai 1950 ernannte ihn der Kompanieführer Erwin Reinecke zum Zugführer. Nach diesem ersten großen Nachkriegsfest gab ihm Hauptmann Fritz Berg die Order, die Statuten, die unter Druck der Partei geändert worden waren, zu säubern und traditionsgemäß unter Wahrung der alten Sitten und Bräuche wieder neu zu formulieren.

Knipping erinnert sich: “Es gab keine Akten mehr, keinerlei Anhaltspunkte, um diesen Auftrag durchzuführen. Fritz Berg wusste, dass die Gesellschaft reichhaltiges Material besaß und dass man es vor den Nazis versteckt hatte.” Aber wo war es geblieben? Knipping machte sich auf die Suche und fand bei dem damaligen Rendanten Karl Bartels beim Durchsuchen vieler Schuhkartons (“Eine Zettelwirtschaft”) einen kleinen Quittungszettel aus dem Jahre 1937 mit dem Vermerk “Fünf Mark erhalten für Verstecken in der Lutherkirche.” Damaliger Amtsinhaber der Kirche war Pastor Niemeyer. Seine Schweigepflicht war inzwischen beendet, und so zeigte er Knipping den Weg zum Dachboden der Kirche, auf dem sich das Versteck befand.

Er war auf der linken Seite dicht unter den Dachpfannen, knapp vor dem Glockenturm angelegt worden. Die Archivalien waren in viele Einzelpakete verpackt, eingewickelt in Ölpapier, das älteren Mitbürgern noch als Verpackungsmaterial aus der Industrie bekannt ist.

Diese Bündel enthielten in großer Anzahl handgeschriebene Protokollbücher, über Jahrhunderte geführt, die ältesten Akten stammten aus der Zeit um das Jahr 1400. Sie waren so verschnürt, wie man es aus den Kanzleien der Notare kennt. So enthielten sie z.B. die ältesten Statuten und dann den größten Schatz: Das Pott-Jost-Bild, aufgerollt und sinnigerweise mit einem Hakenkreuz-Wimpel geschmückt. Dieser Wimpel wurde 1937 an die Schützenfahne geheftet. (Diese Szene ist im Buch von W. Simons “Altena und seine Schützen” auf Seite 164 zu sehen und fälschlicher Weise mit 1934 datiert.) Fritz Berg wusste noch zu berichten, das man ihn zwang, dies zuzulassen, sonst hätte man entsprechende Maßnahmen gegen die Gesellschaft erhoben. Unsere bürgerliche Gesellschaft stand in Gefahr. So wurde auch im Jahr 1938 der Titel Hauptmann untersagt. Dieser musste sich von nun an Vereinsführer nennen. Es galt ja das Führerprinzip.

Nach diesem Wiederhervorholen der alten Akten konnten Rechtsanwalt Thomée und Lebrecht Knipping den Wunsch von Hauptmann Berg erfüllen und die Statuten nach altgewohnter Weise wieder neu fassen.

Ehrenscheffe Knipping sagt heute dazu wörtlich: „Mögen sie in guter Weise noch Jahrhunderte unserer Gesellschaft und meiner geliebten Heimatstadt dienen.“ (…)