Noch 194 Tage bis zum Schützenfest!

Schützenlexikon

Frettchen

Das Frettchen war ein Schnellboot der Gepard-Klasse (143 A) der Bundesmarine.

Seit 1966 unterhielt die Stadt Altena auf Initiative der Marienkameradschaft über 50 Jahre eine lebendige Patenschaft zum Flugkörperschnellboot "S76 Frettchen". Im Jahr 2016 endete die Ära der Schnellboote bei der Bundesmarine und damit auch die Patenschaft.

 

Trotz des relativ starken Wechsels der Besatzungen und des Kommandant, ist es den drei Trägervereinen, der Marinekameradschaft Altena, der Friedrich-Wilhelms-Gesellschaft e.V. und dem Technischen Hilfswerk (TWH) gelungen, feste Bindungen zwischen Schnellboot und Stadt Altena herzustellen und auch in persönlichen Bekanntschaften für deren Festigung zu sorgen.

Die aktuelle Besatzung und ehemalige Frettchen beim Schützenfest 2015

So besuchten Abordnungen des Frettchens unsere Schützenfeste und den Altenaer Weihnachtsmarkt, so oft es der Besatzung möglich war; und auch Altenaer machten sich gerne auf den Weg nach Warnemünde, wenn das Schiff in seinem Heimathafen lag.

Gegenbesuch: Der Hofstaat 2015 besuchte das Frettchen

 

Das „Frettchen“?

Die Traditionsvorläufer des letzten Bootes waren das Schnellboot S 76 (1942 - 1945) und das Schnellboot FRETTCHEN (1962 - 1983) vom 7. Schnellbootgeschwader. Das letzte Boot stammte von der Bauwerft Lürssen. Im Januar 1983 wurde es von Anna-Katharina Topmann, der Frau unseres damaligen Bürgermeisters, getauft und 11 Monate später in Dienst gestellt. Am 01.10.1999 wechselte das Boot zum 2. Schnellbootgeschwader und kehrte nach dessen Auflösung am 28.06.2006 wieder zum 7. SG zurück.
Beim UNIFIL Einsatz im April 2007 ereignete sich eine schwere Havarie mit S 71 GEPARD. Eine erste Reparatur erfolgte vor Ort, dann erfolgte die Rückkehr in die Heimat und die Instandsetzung in der Peene-Werft Wolgast. Im Juli 2016 endete die Ära der Schnellboote bei der Bundesmarine und das Frettchen wurde außer Dienst gesetzt.

Das Frettchen war ein Schnellboot der Gepard-Klasse (143 A) der Bundesmarine. Diese Einheiten wurden auf der Basis der „Albatros"-Klasse weiterentwickelt und verfügten, statt eines zweiten 76 mm-Geschützes, über das RAM-Flugkörpersystem. Dieses diente der verbesserten Abwehr von gegnerischen Flugkörpern. Anstelle der Torpedobewaffnung besaß sie eine groß dimensionierte Minenlegekapazität. Die an Bord befindlichen Sensoren entsprachen weitgehend denen der „Albatros"-Klasse, sie verfügten jedoch über modernere und weitreichendere Möglichkeiten der elektronischen Kampfführung.

 

Technische Daten

 

Maße (Länge /Breite /Tiefgang): 57,6 m / 7,8 m / 2,6 m
Einsatzverdrängung: 390 t
Geschwindigkeit: Höchstfahrt 40 Knoten (ca. 74 km/h)

 

Antriebsanlage

Leistung: 4 x Dieselmotoren mit je 3.300 kW

 

Bewaffnung

1x 76 mm OTO-Melara Geschütz
4x Seezielflugkörper MM 38 EXOCET
Minenlegekapazität
21x Flugabwehrkörper RAM (Rolling Airframe Missile)
2x schweres Maschinengewehr 12,7 mm (SMG)
Elektronische Kampfführung

 

Ausrüstung

Seeraumüberwachungsradar
Navigationsradar
Automatisches Gefechts- und Informationssystem für Schnellboote (AGIS)
Radar-, Führungs- und Waffenleitanlage

 

Besatzung

36 (5 Offiziere)

Quelle: www.marine.de

 

Kommandanten:

KKpt. Müller, D.D.
12.83 - 09.87

KKpt. Krambeer
10.87 - 03.90

Kptl. Henze
04.90 - 09.93

KKpt. Wehr
10.93 - 09.96

Kptlt. Schmidt-Thomée
10.96 - 09.97

Kptlt. Weichselgartner
10.97 - 09.00

Kptlt. Johannsen
10.00 - 09.03

Kptlt. Hey
10.03 - 05.06

KKpt. Glenewinkel
06.06 - 06.07

KKpt. Rosenhainer
07.07 - 09.10

KKpt. Swistek KKpt.
10.10 - 05.13

KKpt. Pfingst
05.13 - 07.16

Quelle: www.freundeskreis-schnellboote-korvetten.de

 

Das Ende der „Ostseerocker“

Mit dem Auslaufen der letzten vier Schnellboote „S 73 Hermelin", „S 75 Zobel", „S 76 Frettchen" und „S 80 „Hyäne" zu einer letzten gemeinsamen Geschwaderfahrt am Sonntag, 03.07.2016 endete für die Marine die Ära der Schnellboote.
Nach dem anschließenden Einlaufen der „Ostseerocker“ in den Heimathafen Warnemünde fanden die letzte Meldungen der Kommandanten und Abmeldungen aus der Fahrbereitschaft sowie die traditionellen Verabschiedungen der Kameraden statt, die in den nächsten Wochen ihre neuen Dienststellen antreten werden.
Es waren jahrzehntelang die Arbeitstiere der Marine...es war eng...heiß und laut auf den Schnellbooten....viele Marinesoldaten haben auf den kleinen, aber robusten Booten auch mal ordentlich geschimpft...doch sowas haben die Besatzungen gerne in Kauf genommen und als Ehre empfunden. Die Technik war im Vergleich zu modernen Kriegsschiffen eher robust – doch war dies bis heute nicht zu verachten.
Nach Jahrzehnten Dienst in der Marine, eine lange Zeit, die dieses Geschwader und seine Menschen ganz wesentlich geprägt hat, war dies für alle aktiven und ehemaligen Kameraden sicherlich ein denkwürdiger Tag - mit dem Festmachen der Leinen endete eine große Ära !!

(Quelle: via Facebook: Deutsche Marine Blog)

Am 16.11.2016 wurde das Schiff offiziell außer Dienst gestellt. Für die Stadt Altena nahmen Bürgermeister Dr. Andreas Hollstein, Peter Wilm Schmidt (Friedrich-Wilhelms-Gesellschaft) und Frank Herbel (mit einigen Helfern vom THW) an der Feier teil.

 

Ergänzung:

Im April 2007 stieß das "Frettchen" vor der libanesischen Küste mit einem anderen Schnellboot der Bundesmarine zusammen. Das Boot wurde nach der Havarie vor Ort provisorisch repariert, anschließend erfolgte eine aufwendige Reparatur in Deutschland.

Beim Schützenfest 2009 griff der Zug Muckebeutel (Kompanie Freiheit) das Thema noch einmal auf und baute einen entsprechenden Motto-Wagen.

 

 

Für beide war es Liebe auf den ersten Blick

Nicht die einzige Liebesgeschichte zwischen einem „Frettchen“ und einer Altenaerin: In der Schützenfestzeitung 2000 erzählt der Ex-Smut Thorsten Koll wie er seine spätere Ehefrau auf dem Schützenfest kennengelernt hat:

„Eigentlich hatten wir überhaupt keine Lust und sind nur auf Befehl zum Schützenfest nach Altena gekommen.“ Für Thorsten Koll war es jedoch ein Befehl, der sein Leben verändern sollte. Die Anweisung seines Kommandanten hat er bis heute nicht bereut. Lernte der ehemalige Zeitsoldat der Marine auf diese Art und Weise doch seine Ehefrau auf dem Schützenfest in Altena kennen.

Zur Vorgeschichte: Das Schnellboot Frettchen ist Patenschiff der Stadt Altena und Zwecks Pflege dieser Verbindung wurde die Besatzung nach Altena eingeladen. Thorsten Koll, war Smut, der Koch auf dem „Frettchen“.

Die Soldaten, nicht besonders motiviert, wurden in Altenaer Familien untergebracht. Der Besatzung war zuvor das Schützenfest schmackhaft gemacht worden: „Ihr braucht kein Geld, denn ihr werdet immer eingeladen. Das Fest ist sehr groß und es wird viel und lange gefeiert,“ hieß es, erinnert sich Koll. Geglaubt haben wir allerdings kein Wort davon.“

Thorsten kam bei Familie Möller unter - und die hatte eine hübsche Tochter namens Anke, welche wiederum ärgerlich war, dass sie für den Soldaten ihr Zimmer räumen musste.

Als der Soldat schließlich anrückte - war es für beide Liebe auf den ersten Blick. Thorsten Koll: „Damals wusste ich sofort - top, die Tochter von Möllers ist mir.“ Sechs Jahre ist das inzwischen her und das Paar hat im letzten Jahr - fast genau zum Jahrestag des Schützenfesttermins - geheiratet.

Beide erinnern sich noch gut an das Fest 1994. Anke Koll ist vor allen Dingen das Karusselfahren mit ihrem späteren Ehemann im Musikexpress in guter Erinnerung. Nur eins tut ihr heute noch leid: „Ich hatte damals einen Freund - aber wie das Leben so spielt…“ Indes, für den engeren Familienkreis war die plötzliche Verbindung der Anke zu einem Marinesoldaten nicht unproblematisch. „Anfangs waren sie alle skeptisch und hatten Angst - einer von der Marine - der bleibt bestimmt nicht“, erinnert sich Thorsten. Als aber der Soldat nach dem Fest „partout immer wieder vor der Haustür stand“ verflüchtigten sich die Vorbehalte schnell.

Der Smut handelte sich den Spott seines Kommandanten ein, weil ständig Post aus Altena kam - hatten Thorsten Koll und seine Kollegen doch zu einer „Dienstfahrt“ zum Schützenfest nach Altena überhaupt keine Lust gehabt. Dabei fand auch ein weiterer Kamerad, so meint sich der Ex-Smut des Frettchens zu erinnern, beim Altenaer Schützenfest die Frau seines Lebens.

Dass das Altenaer Schützenfest super ist, kann Koll nicht nur wegen des Hochzeitseffektes bestätigen. „Es wurde wirklich toll gefeiert, auch wenn er kein Biertrinker sei und kaum geschlafen habe.“ Klar, dass Anke und Thorsten Koll in diesem Jahr zum Schützenfest nach Altena kommen.

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Autor: Christian Klimpel / 2016; Mailto: christian.klimpel@gmx.de

Bild 1: www.freundeskreis-schnellboote-korvetten.de

Foto 2: Ina Hornemann / 2015

Foto 3: Björn Braun www.lokalstimme.de / 2015

Foto 4: Hofstaat 2015

Foto 5: Bundeswehr PAO Unifil

Foto 6: Rudi Rust / 2009