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Schützenlexikon

Haus Lennestein


Übersicht

1. Allgemein

2. Heute in Altena

3. Geschichte

4. Die Gaststätte und ihre Wirte

5. Das Haus und die Schützen

 

 


zu 1.: Allgemein

Das "Haus Lennestein" ist eine Gaststätte in der Altenaer Ortslage Lennestein. Es befindet sich nahe der Steinernen Brücke im Haus Werdohler Straße 15. Die Geschichte des Hauses ist eng mit dem Unternehmer Gustav Selve verbunden.


zu 2.: Heute in Altena

Im Frühjahr 2016 kauften die Altenaer Brüder Mehmet und Murat Karakus, die auch in Lüdenscheid einen Festsaal betreiben, das Gebäude und renovierten es umfassend.

Schon im Frühjahr 2017 konnte die Kompanie Rahmede ihr Kompaniefest im Saalbau feiern. Zum Kränzebinden 2018 soll das "Haus Lennestein" komplett renoviert zur Verfügung stehen.

 

Am 10.01.2018 berichtete Thomas Bender für das Altenaer Kreisblatt von den Fortschritten am Lennestein:

"Oben wird schon kräftig gefeiert: Viele Altenaer Firmen haben für ihre Weihnachtsfeier den großen Saal des Lennestein genutzt, Familienfeiern fanden dort bereits statt und demnächst sind die Schützen regelmäßig zu Gast. „Der Saal ist zu etwa 90 Prozent gebucht“, freuen sich Mehmet und Murat Karakus.

Die beiden sind in Altena aufgewachsen. Murat ist Wirtschaftsingenieur, Mehmet hat Industriemechaniker gelernt. Seit 2014 sind sie in der Gastronomie tätig. Damals übernahmen sie die Schützenhalle an der Hohen Steinert in Lüdenscheid. Zwei Jahre später kam der Lennestein hinzu. Dadurch, dass sie demnächst zwei etwa vergleichbare Betriebe hätten, würden Synergieeffekte freigesetzt. Material und Personal ließen sich dadurch effektiver einsetzen, meinen die beiden Gastwirte.

Zunächst mal wird saniert. Den Anfang machte der Saal. Das Parkett wurde abgeschliffen, die nachträglich angebrachte Deckenverkleidung abgerissen und die Bühne auf ihr ursprüngliches Maß zurückgebaut. Wichtiger und aufwendiger sind die vielen, vielen Kleinigkeiten, die man nicht oder erst auf den zweiten Blick sieht. Da wurden auf der Bühne beispielsweise Steckdosen eingelassen, damit der DJ nicht mit Verlängerungsschnüren hantieren muss und im hinteren, für den Gast nicht sichtbaren Bereich wurde eine voll funktionsfähige Küche eingerichtet – auf Dauer sei es kein Zustand, wenn das Essen für so große Gesellschaften aus dem Erdgeschoss in den Saal getragen werden müsse, sagt Mehmet Karakus.

 

Im Moment ginge das auch gar nicht: Die Küche im Erdgeschoss ist wie alle anderen Räume dort eine riesige Baustelle. „Bald“ antworten die beiden auf die Frage, wann es denn dort losgehen soll mit dem Gastronomiebetrieb. Heute kommt Alex Grass und beginnt mit dem Einbau einer neuen Heizungsanlage, dann geht es ans Verkleiden der Wände. Ein paar Fenster fehlen noch und Türen, die Theke, und, und, und...

Die Brüder Karakus beschäftigen sich lieber mit dem, was schon fertig ist. Die Spülküche zum Beispiel ist bereits gefliest, mit absolut rutschfesten Bodenfliesen – so, wie es die Berufsgenossenschaft am Liebsten hat. Auflagen und Vorschriften einzuhalten ist den beiden sehr wichtig. Auch deshalb halten sie engen Kontakt zum Bauamt und vor allem zur Denkmalpflege. Der Ende des 19. Jahrhunderts als Freizeiteinrichtung für die Mitarbeiter der Firma Basse und Selve errichtete Saalbau steht unter Denkmalschutz, alle Veränderungen müssen mit Denkmalpfleger Jürgen Wagner abgesprochen werden. Wobei die beiden Bauherren immer wieder betonen, dass ihnen das auch wichtig ist: „Wir wollen die alten Traditionen dieses Hauses weiterführen.“ Deshalb freuen sie sich zum Beispiel darüber, dass der geschichtsträchtige Lennestein-Stammtisch schon in den Startlöchern steht, um in sein Stammlokal zurückzukehren.

Dort werden die Herren einiges zu Staunen haben. Das fängt schon mit dem Eingang an – der wurde dahin verlegt, wo er einst war: In die Mitte des Hauses, unter einen kleinen Balkon. Weil die Bauherren Altenaer Handwerker bevorzugen, ging der Auftrag an Jochen Harte, der die neue Tür nach historischem Vorbild herstellte – die nötigen Bilder fanden sich im Stadtarchiv. Jede Menge Strahler werden den Eingang und die übrige, bereits neu gestrichene Fassade in Szene setzen. Auch innen werden interessante Lichtakzente gesetzt: Die Farben der LED-Beleuchtung können verändert und somit der Tageszeit und dem Anlass angepasst werden.

Durch die Eingangstür gelangen die Gäste des Lennestein ins Restaurant mit etwa 50 Plätzen – gutbürgerlich soll dort gekocht werden, Köche und Servicepersonal suchen die Brüder noch. Zwei Räume für kleinere Gesellschaften schließen sich an, hinzu kommt der kleine Saal – der einzige Bereich, an dem sich zunächst nicht viel verändern wird. Auch nach der Fertigstellung werde laufend investiert, kündigen die beiden an – auch dann gebe es noch genug zu tun, beispielsweise den Austausch der großen und nicht gedämmten Fenster im Saal. Ihr Ziel sei es auf jeden Fall, den Saalbau zu behalten und ihn so zu betreiben, „dass die Altenaer zufrieden sind“.

Viele Gedanken haben sich die Bauherren über die Technik gemacht: Das gesamte Gebäude ist vernetzt, es gibt sogar einen eigenen Serverraum. Jede Menge Bildschirme sind geplant, selbst auf den Toiletten wird man Filme gucken können, wenn alles fertig ist."


zu 3.: Geschichte

Sehr ungewohnt zu jener Zeit kümmerte sich Gustav Selve im großen Rahmen um die sozialen Belange seiner Mitarbeiter bei der Firma Basse & Selve. Er baute Arbeiterwohnungen, Kleinkinder- und Handarbeitsschulen, Konsum- und Badeanstalten und sorgte für die Einrichtung eines Unterstützungsfonds für Hilfsbedürftige. Die Gründung der Altenaer Baugesellschaft (ABG) im Februar 1870 ging wesentlich auf sein Engagement zurück.

Im Jahre 1880 ließ er das "Haus Lennestein" als Arbeiterheim, Betriebskantine sowie für gesellschaftliche und kulturelle Zwecke errichten.

Informationen zur Firma Basse & Selve finden Sie im Schützenlexikon unter → Lennestein.

Während des ersten Weltkrieges diente der Saalbau als Lazarett für verletzte Soldaten, die mit dem Zug zur Steinernen Brücke nach Altena gebracht wurden.

Im zweiten Weltkrieg wurden die Räume abermals als Lazarett genutzt.

Spätestens ab 1949 wurde das Gebäude an Wirte verpachtet.

Mit dem Stadtumbau um 1977 wurden andere Saalbauten wie der "Märkische Hof" an der Bahnhofstraße, sowie der Westfälische Hof am heutigen Markaner abgerissen. 1980 wurde das Haus Lennestein mit seinen 1249qm und das Grundstück mit 2500qm an die Altenaer Baugesellschaft verkauft.

Im letzten Saalbau der Innenstadt erfreuten sich die Altenaer an vielen tollen Festen und Ereignissen. Hochzeiten und Kirchfeste, Theaterfreunde, Musikliebhaber, Tanzkurse, Stammtische, Kegelvereine und natürlich die Schützen der Friedrich-Wilhelms-Gesellschaft. Sie alle trafen sich in dem Gebäude mit der denkmalgeschützen Fassade.

Der neunköpfige Aufsichtsrat der Baugesellschaft (ABG) beschloss den Weiterverkauf des Hauses, da die laufenden Instandhaltungskosten zu hoch waren und nicht durch Rücklagen aus Verpachtungen gedeckt werden konnten. Der Verkaufswert des denkmalgeschützten Hauses wurde nach WR-Informationen von einem Gutachter auf 600.000 DM geschätzt. Die Stadt war an einem Verkauf nur interessiert, wenn eine Garantie für die Aufrechterhaltung des Saalbetriebes gegeben werden konnte, da der Neubau einer Stadthalle mit der Bebauung des Marktplatzes (zu der es jedoch nicht kam) aufgegeben wurde.

Die ABG einigte sich mit Karl-Heinz Kiesewalter, einem früheren Pächter (ab 1972 und ab 1980) des Hauses, auf eine Privatisierung des Saalbaus. Der Kaufvertrag wurde im Juni 1992 unterzeichnet. Da ein öffentliches Interesse an der Weiterführung des Saalbaubetriebs bestand, wurde von politischer Seite aus eine finanzielle Unterstützung an den Umbaukosten erwogen. Dem neuen Besitzer sollte ein Modernisierungsdarlehen gewährt werden.

Seit dem 13. Juli 1992 arbeiteten die Handwerker im Haus Lennestein. Ein Lavastein-Grill wurde eingebaut. Am 22. August war Richtfest für den Anbau, mit dem die Küche und Spülküche erweitert wurden. Die Wetterseite erhielt neue Fenster. Der große Gesellschaftsraum und das Treppenhaus wurden komplett renoviert. Zum Teil wurden neue Fußböden verlegt und neue Lampen installiert. Im Restaurant standen den Gästen seitdem 40, im kleinen Gesellschaftszimmer 18 bis 20 und im großen Gesellschaftsraum 100 Plätze zur Verfügung. Der große Saal bot Platz für rund 300 Personen.

Noch vor der offiziellen Eröffnung am 22. September 1992 fand am 12. September das Kompaniefest der Kompanie Kelleramt im "Haus Lennestein" statt.

Karl-Heinz Kiesewalter veräußerte das Objekt 1997 an die Familie Itani. Neuer Pächter wurde die Familie Hegener, die das Haus mit viel Herzblut über 15 Jahre führte. Doch alle Bemühungen der Pächter brachten dem Haus nicht viel, denn leider ließ die letzte Inhaberin das Gebäude in keinem guten Zustand und dringend erforderliche Sanierungen wurden nicht durchgeführt. 2012 beendete sie das Mietverhältnis mit Familie Hegener. Von 2012 bis 2015 wurde das Haus mit einem neuen Pächter weitergeführt.

2016 kauften die Gebrüder Karakus das "Haus Lennestein".


zu 4.: Die Gaststätte und ihre Wirte

Im Jahre 1949 wurden die Gaststätte mit dem Saalbau von der Witwe Rudolf Gammersbach bewirtschaftet.

Im Jahre 1969 ist Karl-Heinz Motschull als Wirt belegt. 1972 pachtete Karl-Heinz Kiesewalter die Gaststätte. Ihm folgte Frank Meister von der Tanzschule Meister.

1980 wurde das Haus Lennestein von der Firma VDM an die Altenaer Baugesellschaft verkauft. Sie verpachtete die Gaststätte erneut an Karl-Heinz Kiesewalter.

Im Juni 1992 kaufte Karl-Heinz Kiesewalter das "Haus Lennestein" und bewirtschafte es selbst bis 1997.

Neuer Besitzer der Immobilien wurde 1997 die Familie Itani. Sie verpachtete das Haus an die Familie Hegener bis 2012.

Von 2012 bis 2015 wurde das Haus mit zwei neuen Pächter weitergeführt.

2016 wurde das Haus an die Gebrüder Karakus verkauft. Sie bewirtschaften das "Haus Lennestein" nun selbst.


zu 5.: Das Haus und die Schützen

Als ältester erhaltener Saalbau der Stadt Altena sind die Schützen und Kränzebinder/innen der Friedrich-Wilhelms-Gesellschaft häufig und gern zu Gast im "Haus Lennestein".

1927 wurde ein sogenanntes "kleines Schützenfest" im Lennestein gefeiert. Dabei fand ein Preisschießen im Buchholz statt. Auf ein Königsschießen wurde jedoch verzichtet.

Spätestens seit 1950 traf sich der 4. Zug (Lennestein) der Kompanie Freiheit zum Kränzebinden im "Haus Lennestein" und von 1973 bis 1985 erkor auch der 3. Zug (Lindenzug) das "Haus Lennestein" als Kränzebinderlokal. 1970 wechselten die Kränzebinder/innen der Kompanie Rahmede zum Binden ihrer Kronen von der Gaststätte "Zum Kronprinz" in das "Haus Lennestein".

Darüber hinaus fanden Kompaniefeste von allen fünf Kompanien der FWG, zahlreiche Vorstandssitzungen sowie Schützenkonzerte - und bälle im "Haus Lennestein" statt.

Aufgrund seiner exponierten Lage zum Schießstand der FWG spielte das "Haus Lennestein" auch bei den Schützenfesten eine besondere Rolle. Von 1950 bis 2015 wurden alle frisch ermittelten Preisschützen und Schützenkönige auf den Schultern ihrer Freunde zum "Haus Lennestein" getragen, um dort die ersten Glückwünsche entgegen zu nehmen. Aufgrund der Gefahren an der vielbefahrenen Bundesstraße 236 ist dies seit 2018 nicht mehr möglich und der Ort dafür wurde auf die Steinerne Brücke verlegt.


Autor: Christian Klimpel / 2018; Mailto: christian.klimpel@gmx.de

Foto 1: Altenaer Kreisblatt

Foto 2: unbekannt

Foto 3: unbekannt

Foto 4: Postkartenmotiv

Foto 5: unbekannt; Homepage Haus Lennestein

Foto 6: Altenaer Kreisblatt

Foto 7: Kreisarchiv V FWG 54 29; Beim Schützen dürfte es sich um Paul Adrian handeln, der 1950 einen Stern abgeschossen hat. Neben ihm steht der Zugführer Otto Lüling von der Kompanie Mühlendorf.