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Schützenlexikon

Knerling


Übersicht

1. Allgemein

2. Heute in Altena

3. Geschichte

 

 


zu 1.: Allgemein

Der Knerling ist ein Wohngebiet im Nord-Westen von Altena.


zu 2.: Heute in Altena

Vom Tal der Lenne steigt die Siedlung an der Nordostseite den Papenberg hinauf. Sie hat eine Fläche von etwa 400 x 250 Metern mit sechs Straßen: Am Knerling, Am Papenberg, Gustav-Selve-Straße, Friedrich-Ebert-Straße, Eichendorffstraße und Elsa-Brandström-Straße. Gebaut wurde die Siedlung zwischen 1927 und 1930 durch die Altenaer Gemeinnützige Baugesellschaft.

In den 50er Jahren wurden zwei Straßen erweitert, beziehungsweise angebaut. Die Friedrich-Ebert-Straße wurde ein Stück erweitert. Dieses Anhängsel wird im Volksmund "Blinddarm" genannt. An die Eichendorffstraße wurde ein Stück angebaut, welches im Volksmund "Negerdorf" genannt wird.

Innerhalb der FWG gehört der Knerling zum 1. Zug der Kompanie Kelleramt.


zu 3.: Geschichte

Im Freiheitsbrief legte Graf Engelbert III. 1367 legte die Grenzen der Freiheit Altena fest. So wird formuliert, dass die Freiheit so weit reicht, wie die Häuser um Altena gebaut sind „um die Burg herum und darin“. Mit dem Freiheitsbrief setzt er auch den Gerichtsbezirk für Altena fest, der innerhalb der Freiheit zwischen der (Steinernen) Brücke bis zum Linscheider Bach und bis zum Halse reichte. Der Hünengraben, Brachtenbecke, Knerling und Pragpaul lag also außerhalb der Freiheit und gehörte somit zum Kelleramt.

Die Vereinigung der Gemeinden Wiblingwerde und Kelleramt zur Großgemeinde Nachrodt-Wiblingwerde erfolgte 1907. Die beiden Gemeinden hatten zusammen 3.718 Einwohner.

1908 erfolgte die Eingemeindung der Ortsteile Knerling, HünengrabenPragpaul (teilweise) und des Restteils der Brachtenbecke nach Altena.

 

Klaus Möscheid beschreibt in seinem Buch „Aufzeichnungen eines 70-jährigen Lebens“ aus dem Jahre 2013 das dortige Leben in der Zeit vor, während und nach dem zweiten Weltkrieg: Das Leben am Knerling in den 50er - 70er Jahren.

Am Anfang der bergan steigenden Straße gab es einen Bauernhof von Bauer Winter. Die Gebäude waren aus heimischer Grauwacke, aus Bruchsteinen, gebaut. In dem ersten kleinen Haus, dem Bauernhof vorgelagert, war eine Quelle. Hier holten die Menschen aus der Siedlung Wasser, wenn das öffentliche Netz nicht funktionierte (…) Über dem Bauernhof auf der Südost-Seite gab es eine Wiese, auf der Kühe grasten.

Nach etwa 100 Metern führte eine Straße parallel oberhalb der Bundesstraße und des Flusses Lenne in Richtung Norden, die Straße Am Knerling. (…) Nach 200 Metern endet die Bebauung. Am Ende steht ein großer Bunker. (…) Weiter führt die Straße durch ein großes Waldgebiet und durch die Bauernschaft Opperhusen in Richtung Norden und zum Ort Einsal.

Die anderen Straßen der Siedlung sind so angelegt, dass sich ein Rundkurs ergibt (…) Zur Zeit der Planung hat man nicht mit einem so rasanten Anstieg der Pkw-Zulassungen gerechnet, wie er ab den 60er-Jahren stattfand. Die Straßen waren zu eng, um genügend Parkraum zur Verfügung zu haben. Erst viel später hat man Teile von den Gärten abgezwackt und zu Parkplätzen umfunktioniert.

Vom Bauernhof aus steigt die Straße Am Papenberg als Stichstraße bergan. An diesem Teil liegt links ein großer Häuserkomplex. Hierin ist ein Wirtschaft, zu der früher auch ein Saal gehörte. Dieser Saal wurde nach dem Krieg vorübergehend als Schulraum genutzt. Danach wurde in diesen Räumlichkeiten ein Friseur untergebracht.

 

In weiteren Teile des Gebäudekomplexes waren ein Lebensmittelgeschäft und eine Metzgerei, die gibt es heute noch. (…) Gegenüber, auf der anderen Straßenseite, war ein großes Gebäude, welches von der unteren Straße bis zu vier Etagen hochreicht. In diesem Gebäude war ein weiteres Lebensmittelgeschäft (Konsum), eine Leihbücherei mit Büro- und Schulbedarf und in den oberen Etagen einige Mietwohnungen.

(…) Weiter aufwärts geht es mit den Reihenhäusern bis zur obersten Straße weiter. Hier, am Ende der Gustav-Selve-Straße liegt die nach dem Krieg erbaute Knerling-Schule.

Es folgt in einer Rechtskurve die Elsa-Brandström-Straße. Sie ist die oberste Begrenzung der Siedlung. Weiter bergauf ist ein Wald. Ein Weg führt durch diese Waldlandschaft bis auf die Höhe, nach Gut Sassenscheid und weiter in das Höhendorf Wiblingwerde. An beiden Seiten stehen Mehrfamilienhäuser und der 1935/1936 gebaute evangelische Kindergarten.


(…) In der Siedlung gab es nur ein Telefon. Es war ein öffentlicher Fernsprecher, eine sogenannte Telefonzelle. Gelb gestrichen, in der Tür ein Fenster, etwa einen Quadratmeter Bodenfläche, man konnte darin nur stehen. Für 2 Groschen (20 Pfennige) konnte man ein Ortsgespräch führen. Für Ferngespräche musste man laufend Groschen nachwerfen. Erst Ende der 50er-, Anfang der 60er-Jahre kamen die ersten Telefone in die Haushalte.


Pragpaul, Brachtenbecke und Knerling in den 50er - 70er Jahren


(…) Diese nahe beieinander liegenden Wohngebiete waren eine eigene kleine autarke Vorstadt. Zum Bahnhof und zur Innenstadt gab es Linien-Busverbindungen, aber zum täglichen Leben gab es hier fast alles zu kaufen, was man benötigte; außer Bekleidung.

Alles war in der Nähe und schnell zu Fuß erreichbar: vier Lebensmittelgeschäfte: Klinke, Konsum, Middermann und Stede, zwei Metzger: John und Hahn, die Fischräucherei Häslich, ein Schlachthof, zwei Gaststätten: Zum Papenberg und Zur Uhle, zwei Friseure: Hartung und Wirthsmann (Anm: lt. Klaus Löttgers waren es sogar drei Friseure), der Arzt Dr. Gölich, das Taxi-Unternehmen Schöller-Wege, zwei Schuster: Gilbert und Horchler, zwei Leihbüchereien: Jungkart und Schöller, zwei Autohäuser: Ford und Opel, zwei Fahrschulen: Pieper und Bräckler, eine ARAL-Tankstelle, die Stellmacherei Schulte, die Schreinerei Albrod, vier Maler und Anstreicher: Mattern, Grüber, Bauer und Kahler.

Es gab auch in diesem Bereich einige Industriebetriebe: Möller& Co: Herstellung von Bandmaßen, Nierhoff& Gäfgen: Nietenfabrik, Voswinkel: Profilzieherei, Basse& Selve: Motorenwerke, unter anderem für große Schiffsmotoren, eine Lehrwerkstatt zur Ausbildung von Lehrlingen in der Metallindustrie, Borbet: Aluminium-Gießerei, Hübenthal: Lumpen und Putzlappen, Borbet: Drahtzieherei, Wagener: Stahldraht-Zieherei, VDM: Wärme- und säurebeständige Spezialstähle, Breidenbach: Tief- und Straßenbau.


Es gab und gibt einen Männerchor, eine Abteilung der freiwilligen Feuerwehr und einen Schützenzug.


In den Gewerbe- und Industriebetrieben fanden überwiegend Menschen aus diesen Siedlungen Arbeit. Da die Wirtschaft in den 50er, 60er und 70er Jahren stark beschäftigt war, gab es zeitweise mehr offene Stellen als Arbeit suchende Menschen.


Der Schlachthof hatte eine große Eismaschine. Es wurden Eisblöcke hergestellt, etwa einen Meter lang und 30 mal 20 Zentimeter im Quadrat. Diese Eisblöcke fanden Verwendung bei den Milchhändlern Klinke und Liebl, welche das Eis zur Kühlung ihrer Milchprodukte verwendeten.


Autor: Christian Klimpel / 2018; Mailto: christian.klimpel@gmx.de

Foto 1, 3-6: Postkartenmotive

Foto 2: Heinz Wagener / 2013