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Schützenlexikon

Königskette

Allgemeines

Die Tatsachen, dass auf einen Vogel geschossen wird, der beste Schütze zum König ernannt und mit einer Kette geschmückt wird, hat weltweit eine lange Geschichte.

Schon auf einem westfälischen Altarbild des frühen 15. Jahrhunderts in der Dortmunder Marienkirche mit einer Darstellung einer Kreuzigung trägt einer der Männer eine Kette mit Kleinod, deren Darstellung durchaus mit heutigen Königsketten verglichen werden kann.

Trägt ein Mann eine solche Kette, kennzeichnet er sich damit als Mitglied des ritterlichen Ordens, davon abgeleitet wurde zu manchen Zeiten als Aufnahmeritus den Schützen die Kette umgelegt. Von den Ordensketten leiten sich außerdem die Bürgermeisterketten des Spätmittelalters sowie die Schützenketten ab.

Mit fortschreitender Zeit wurden die Ketten, genau wie die Feste, immer pompöser, bis sie einen Maßstab der Übertreibung annahmen und kaum mehr tragbar waren. Jeder neue König hing eine Silberplakette daran, sodass die Kette die Geschichte der Gilde erzählt. Bis in die 1950er Jahre gab es vielerorts auf jeder Plakette zusätzlich einen Kettenspruch, der eine gewisse Bedeutung hatte, meist war er beeinflusst von den gerade geschehenen Ereignissen oder der Stimmung des Volkes.

Zwei Beispiele: 1934 lautete der Kettenspruch des Kaufmanns Otto Wolter „Bei Allen handle künftig hin, in Adolf Hitlers Sinn.“, was schon hier, vorausgreifend den großen Einfluss zeigt, bevor die Schützenvereine überhaupt betroffen waren.

1951 lautet der Spruch des Bäckermeisters Fritz Schmidt: „Im Sturmgebraus und schwerer Zeit im Kampf um Deutschlands Einigkeit.“

Hier kann der Einfluss der politischen Entwicklungen bemerkt werden, oft waren auch städtische oder wirtschaftliche Ereignisse Gegenstand der Sprüche.

Heute sind meist Symbole aus den jeweiligen Städten verarbeitet. Als Kleinod, welches an der Kette hängt, hat sich der Vogel in unterschiedlichen Gestalten, meist Adler oder Papagei, durchgesetzt.

 

Die Königskette der Friedrich-Wilhelms-Gesellschaft (FWG)

1873 stiftete Schützenkönig Johann Sprenger eine neue silberne Kette für das Schützen-Kleinod. Diese wurde bis 1953 verwendet und wird heute im Museum der Burg Altena ausgestellt. Die Königskette ab 1956 wird in den folgenden Artikeln beschrieben:

Zur Proklamation des Königs gehörte schon seit Beginn der Aufzeichnungen eine Kette, die ihm umgelegt wurde.

Sie bestand aus Silber und etwa seit dem 18. Jahrhundert ergänzte der regierende König sie in jedem Festjahr durch eine Plakette.

 

Da das Fest in der Entwicklung oft ausfallen musste, kam es erst 1956 dazu, dass die Kette mit ihren Plaketten zu schwer wurde und eine neue angefertigt werden musste. Heute hängt zwar noch immer jeder König einen Silberorden an die Kette, inzwischen sind aber Größe und Gewicht selbiger festgelegt. Ist die Anzahl der Kettenglieder, an die die Orden gehangen werden ausgeschöpft, wird die älteste Plakette abgenommen.

 

Am unteren Ende der Kette hängt das Schützenkleinod, in Altena ist dies ein silberner Papagei auf einer Stange, von der eine Armbrust hängt. Dies deutet zum einen auf das 15. Jahrhundert in welchem Altena zur Freiheit erhoben wurde und die Armbrust die vorherrschende Waffe war.

Zum anderen ist es das Sinnbild des Vogels, der von der Stange geholt wird.

 

Die Kette beinhaltet noch weitere wichtige Elemente. So ist beispielsweise Draht symbolisch für das Drahtgewerbe eingearbeitet, eine Plakette mit dem Altenaer Wappen ersetzt ein Glied, eine andere Plakette zeigt eine Münze, auf der Namensgeber Friedrich Wilhelm abgebildet ist.

 

Des weiteren wird das Logo und das Motto der Fahne abgebildet, das althergebrachte Wappen der Grafschaft Mark und natürlich ein Bild des Pott Jost.

Der Verschluss ist ebenfalls eine Plakette sie zeigt das Bild der Burg Altena.

 

1937 wurde veranlasst, dass auf dem Königsorden ein Hakenkreuz abgebildet war.

 

Für die Aufbewahrung der Kette ist der Rendant verantwortlich. Zwischen den Festen wird sie in einem Safe aufbewahrt, außerdem wird ein Replikat im Museum der Burg Altena ausgestellt.

Quelle: Nadine Hampel; Das Schützenfest als kultureller Sonderfall; 2010

 

09. Mai 2012: Altenaer Kreisblatt

Johannes Bonnekoh vom Altenaer Kreisblatt beschrieb die Kette am 09.05.2012 wie folgt:

Wer beim Schützenfest in Altena den Vogel abschießt, wird sichtbar geehrt. Der treffsichere Schütze darf drei Jahre lang die Königskette tragen. In diesem Kleinod spiegelt sich bis heute hohe Handwerkerkunst wider, sie ist aber auch Repräsentationszeichen der Friedrich-Wilhelms-Schützengesellschaft (FWG) selbst.

Hauptstück des aktuellen Königssilbers ist seit Jahrhunderten der Adler. Der kleine zierliche Vogel, das Kleinod genannt, besteht aus massivem Silber und sitzt auf einer Armbrust. So wird wohl angedeutet, wie in alter Zeit der Schützenkönig an der Lenne ermittelt wurde. Wie alt genau dieses etwa faustgroße historische Schmuckstück ist, das direkt am untersten Ende der Kette baumelt, lässt sich nicht mehr mit Exaktheit sagen. Allerdings besticht es immer noch durch seine filigrane, sehr künstlerische Form. Ernst Ulrich Wirthsmann, Rendant der FWG, nennt es liebevoll „unseren Schwan“.

 

Die aktuelle Schützenkette stammt aus dem Jahre 1956. In diesem Jahr beauftragte die FWG den Iserlohner Gold- und Silberschmied Peter Schneider mit der Fertigung einer neuen Königskette. Denn die Kette der Altenaer war im Laufe der Zeit immer größer und damit für den Träger unhandlicher geworden.

Königskette – mit diesem Begriff wird zunächst fachübergreifend der feine, zwischen zwei bis acht Millimeter dicke Kettendraht bezeichnet, aus dem die reine Silberschlinge ohne Königsanhänger besteht. Es bedarf großer handwerklicher Fertigkeiten, sie herzustellen, zumal das Sterling-Silber später durchaus ein großes Gewicht zu halten hat.


Das aktuelle Königssilber ist für die FWG sowohl ideell als auch materiell von großem Wert. Der amtierende Schützenkönig trägt dieses Zeichen seiner Würde und seines Amtes bei allen Auftritten über das Schützenfest und zu den weiteren Verpflichtungen innerhalb der dreijährigen Amtszeit.

Die Königskette im Ganzen wird von silbernen, oft auch zusätzlich vergoldenen Orden gebildet, die die jeweiligen Könige stiften. Stets sind diese Medaillen sehr individuell gestaltet, enthalten oft das Familienwappen der Könige oder Hinweise auf ihre Berufe. „Meist“, so erzählt Hauptmann Klaus Knipping, „wird auch der Name der Königin auf der Rückseite neben dem eigenen Namen und der Regentschaftszeit eingraviert.“

Ein kurzer Blick auf die Kette genügt: Steuerberater Ernst Ulrich Wirthmanns, der für die sichere Lagerung und Ausstellung der Kette auf der Burg verantwortlich zeichnet, ließ nach seinem Königsschuss beispielsweise zwei stylisierte Paragrafen und ein Rechnungsbuch auf seine Medaille aufbringen. Jürgen Henke, von Beruf Richter, entschied sich für ein Abbild der Göttin Justizia als bleibende Erinnerung an seine Zeit als Schützenkönig. Doch auch Tierdarstellungen sind geläufig. So findet man einen ausgewachsenen Hahn auf dem silbernen Kettenglied ebenso wie beispielsweise einen Vogel, das stylisierte Firmenlogo des Unternehmens Finkernagel, und diverse Bild- und Symbol-Anspielungen auf Könige, die als Unternehmer in der Drahtindustrie am Ort tätig sind.

„Als mein Vater König war, hat er unser Familienwappen gewählt“, sagt Klaus Knipping und zeigt auf den entsprechenden Orden.


Ist der „Schwan“ oder Adler auch der Blickfang der Schützenkette, so kommt kein Betrachter an den ersten beiden Kettengliedern vorbei. Sie bilden den Anfang, wenn die Kette auf dem Rücken des Trägers aufliegt. Bei diesen Stücken handelt es sich um eine rechteckig in einen Silberbarren eingearbeitete Darstellung der Burg Altena und eine runde Altena-Münze in Gold. Diese Medaille wurde anlässlich des 600. Stadtgeburtstages am 15. Juli 1967 der FWG von der Stadt gestiftet.

Gemeinsam mit Pott Jost, Stadt- und Märkischem Wappen, die allesamt ebenfalls in Gold gefasst sind und dem Schützenadler – bildet sie ein „Tragekreuz“ für die Kette. Nach wie vor wird das gesamte Königssilber in einem Stück über die Schulter gelegt und wiegt knapp sechs Pfund.

Es ist und bleibt dabei Blickfang für jeden Schützenfestbesucher. In der „schützenfestlosen“ Zeit werden das wertvolle Exponat und die alte Kette als ständige Leihgaben auf der Burg Altena ausgestellt.


Quelle: Altenaer Kreisblatt

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Autor: Christian Klimpel / 2016; Mailto: christian.klimpel@gmx.de

Bild 1+2: Gerd Klimpel www.klimpelsjunge.jimdo.de / 2016

Bild 3: Ina Hornemann

Bild 4: Johannes Bonnekoh