Noch 194 Tage bis zum Schützenfest!

Schützenlexikon

Kränzebinden

Das Kränzebinden ist ein beliebter Brauch von altersher. Es trägt zur Stärkung des Heimatgedankens und des Zusammenhaltes der Altenaer Bürger bei und findet seinen sichtbaren Ausdruck in der Ausgestaltung unserer Heimatstadt.

Neben dem Brauch, bestimmte Lieder gemeinsam zu singen kam um 1830 noch ein weiterer auf, welcher heute noch erhalten geblieben ist: das Kränzebinden oder auch Kränzen:

Die Jungschützen stellten den Offizieren und Führern mit bunten Kronen geschmückte Ehrenpforten vor die Tür, damit ein jeder sehen konnte, wer eine hohe Position innerhalb der Gesellschaft bekleidete. Die Kronen wurden aus buntem Krepp gebunden und allein die Anzahl der zu bindenden Kronen bedeutete viel Vorbereitung.

 

Bauplan einer Krone aus der Komp. Rahmede

Für die Schützenjugend ermöglichte es aber auch, dass sie sich schon im Vorfeld kennenlernen konnten und so wurden diese Vorbereitungen und das Schmücken der Türen beibehalten.

 

Heute beginnen die Kompanien etwa zwei Monate vor dem anstehenden Fest mit dem Kränzebinden. Bögen aus Lackpapier werden gemeinsam in Streifen geschnitten, gefalten, eingeschnitten, getackert und gesteckt. Das Kränzebinden wird mit Spielen, gemütlichem Beisammensein, Musik und Tanz kombiniert.

 

Innerhalb der Stadtteile werden Tafeln aufgestellt, um die Daten der Kränzebinden zu veröffentlichen. Generell findet das Binden jedes Wochenende bis zum Fest statt.

 

Die Veranstaltungsorte werden als Kränzebinderlokale bezeichnet.

Am Tag vor dem ersten Festtag werden die Kronen feierlich zu den Häusern der Zug- und Kompanieführer, der Scheffen, Ehrenscheffen, Spieße, Fähnriche, des Adjutanten und Hauptmanns gebracht. Am Abend wird das Kronenfest gefeiert.

König und Königin erhalten eine goldene bzw. silberne Krone sobald sie feststehen.

Quelle: Nadine Hampel; Das Schützenfest als kultureller Sonderfall; 2010

 

Bis rund um das Jahr 1973 war das Kränzebinden allein den ledigen Schützen vorbehalten. Diese Regelung lockerte sich aber früher oder später in allen Kompanien. Heute sind es Veranstaltungen für Jung und Alt.

 


Ehrenpforten beim Besuch von Friedrich-Wilhelm II

Ehrenpforten wurden aber schon lange vorher gesetzt und erstmals beim Besuch des Kronprinzen 1788 erwähnt:

So ist überliefert, dass die Straßen von Nachrodt nach Altena für diesen Besuch stark ausgebessert wurden und die Fabricanten auf der neugebauten Lennebrücke zu Nachrodt einen Ehrenbogen mit lateinischer Aufschrift errichteten. Sechs Mädchen vom Lande sagten dem König dort ihr Gedicht auf bevor dem Monarchen hier eine berittenen Abordnung der Altenaer entgegen kam.

Auf dem gesamten Weg nach Altena standen die Fabricanten mit ihren Werkstücken Spalier.

In der Brachtenbecke, wo die Altenaischen Drahtrollen anfingen, erwartete der Magistrat von

Altena, nebst Vorstehern und Zunftmeister der Fabricquen den Kronprinzen.

An dem Weg von der Brachtenbecke bis zum Hünengraben standen 60 Uniformierte mit Marschallstab in der Hand, der oben mit Eichenlaub umwunden und mit einem roten Bande geziert war.

Außerdem waren auf dem Weg von der Brachtenbecke bis in die Freiheit insgesamt sechs Ehrenbögen errichtet worden, der erste am heutigen Selvekreisel.

Dann besuchte der Kronprinz die Fabriken am Hünengraben und setzte seinen Weg anschließend über die Bahnhofstraße fort. In Höhe der heutigen „Hünenburg“ sangen Chöre und auf „Großen Brücke“ streuten Mädchen Blumen auf den Weg.

Vor der Lutherkirche stand ein weiterer Ehrenbogen. Der Kronprinz besuchte die Lutherkirche, speiste in Altena und erhielt zahlreiche Gedichtsvorträge sowie Geschenke, die er huldvoll entgegen nahm.

Das ganze Volk war auf der Straße um seinen König zu empfangen und den Leuten standen die Freudentränen in den Augen.

„Am folgenden Tag vereinigte sich die ganze Bürgerschaft zu einem allgemeinen Fest, an dem alle ohne Unterschied der Stände bei frugaler und simpler Bewirtung sich den Empfindungen der Freude über den besten König überließen.“

 

 

Das Kränzebinden ist eine Kunst für sich

In der Schützenfestzeitung 2000 gibt Kompanieführer Dieter Steinmann in einem Interview folgende Informationen zum Kränzebinden:

Jedes Vorstandsmitglied der Schützengesellschaft erhält eine aus Glanzpapier und Draht gebundene Krone, die beim Kränzebinden in den einzelnen Kompanien gebunden wird. „Wir sind eine relativ kleine Truppe und fertigen 16 Kronen an“, erklärt der Kompanieführer der Nette, Dieter Steinmann.

Genau wie alle anderen Kompanien treffen sich die Netteraner seit März an jedem Samstag zum Kränzebinden. Benötigt werden bunte Glanzpapierbögen, Stecknadeln, Draht, Mullbinden und natürlich viele fleißige Hände. Die Papierbögen müssen zunächst in schmale Streifen geschnitten werden. Diese werden dann längs gefaltet und an der Faltkante eingeschnitten. Im nächsten Arbeitsschritt wird die bunte Seite des Papiers wieder nach außen geklappt und an der offenen Kante zusammengetackert. Nur noch zu einer buschigen Rosette formen und fertig ist die Vorarbeit. „Das ist mit das Wichtigste und nimmt viel Zeit in Anspruch“, wie Steinmann weiß. „Eine besondere Bedeutung haben die Farben nicht. Das Ziel ist, die Kronen so schön und bunt wie möglich zu machen“, fährt er fort. Nur die Kronen für Königin und Königs erstrahlen in Silber und Gold. Welche Kompanie diese binden darf, entscheidet allerdings das Los.

Das Kränezbinden sei eine Kunst für sich, meint der Kompanieführer. Geschicklichkeit sei gefragt, um die bunten Papierrosetten auf das mit Mullbinden umwickelte Drahtgestell zu befestigen. „An den Mullbinden lässt sich das Papier leichter feststecken“.

Zwei Personen binden jeweils eine Krone. In zwei Stunden kann eine Krone fertig sein - „da muss dann aber schon richtig reingehauen werden“, sagt Steinmann. Dass seine Kompanie das Kränzebinden gut beherrscht, zeige sich wohl daran, dass etwa zwei bis drei Kronen pro Abend gebunden würden.

Sind die Kronen fertig, müssen aus Tannengrün die Girlanden gebunden werden. Am Kronenabend werden die Schmuckstücke vor den Haustüren der Vorstandsmitglieder der Friedrich-Wilhelms-Gesellschaft aufgehängt. „Diese Tradition ist mindestens 150 Jahre alt“, vermutet Steinmann. Geselliges Beisammensein, Vorbereiten sowie gegenseitiges Kennenlernen stünden im Vordergrund der Kränzebinderabende. Getreu dem Motto, „Erst die Arbeit, dann das Vergnügen“, kann die Kompanie Nette sich entspannt zurücklehnen: Vor dem letzten Kränzebinden waren alle Kronen fertig.

 

„Tradition ist nicht das Halten der Asche, sondern das Weitergeben der Flamme.“

Thomas Morus

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Autor: Christian Klimpel / 2016; Mailto: christian.klimpel@gmx.de

Bild 1: www.fwg-fotos.de / 2009

Bild 2: Kompanie Mühlendorf / 2015

Bild 3: Stapelzug Freiheit / 2015

Bild 4: Kompanie Rahmede / 2015

Bild 5: Björn Othlinghaus / 2012 beim Zug 5 Kelleramt

Bild 6: Zug Muckebeutel Freiheit / 2015

Bild 7: Stapelzug Freiheit / 2015

Bild 8: Kompanie Nette / 2015

Bild 9: Kompanie Kelleramt / 2015

Bild 10: Stapelzug Freiheit / 2015

Bild 11: Stapelzug Freiheit / 2015

Bild 12: Kompanie Mühlendorf / 2015

Bild 13: Kompanie Rahmede / 2015

Bild 14: Zug 4 Lennestein Freiheit / 2012

Bild 15: Stapelzug Freiheit / 2015

Bild 16: Kompanie Kelleramt / 2015

Bild 17: Kompanie Kelleramt Züge 1+2 / 2015