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Schützenlexikon

Pilling

Es gibt viele gute Gaststätten in Altena, die von Schützen besucht werden und in denen Veranstaltungen unserer geliebten Friedrich-Wilhelms-Gesellschaft stattfinden.

Das Gasthaus Pilling aber ist die älteste Gaststätte im Märkischen Kreis in Altena. Das erste Bier wurde bei Pilling 1724 ausgeschenkt. Grund genug also diese Gaststätte in unserem Schützenlexikon zu erwähnen:

 

Geschichte:

Mit Johann Hermann zu Pillingsen († 1769) und seinem Sohn Heinrich, der 1770 und 1776 als Fuhrmann und Wirt in der Nette bezeugt ist, beginnt die Geschichte des traditionsreichen Hauses. Caspar Heinrichs gleichnamiger Sohn (1783-1848) gliederte dem Gaststättenbetrieb eine Bäckerei an, die jedoch schon in der nächsten Generation zu Gunsten der Gastronomie wieder aufgegeben wurde.

Um 1870 war Gastwirt des Hauses Wilhelm Pilling, der 1873 zusammen mit dem Schmied Ludwig Lüling das Unternehmen W. Pilling & Co. gründete.

Der in der Familiengeschichte folgende Gastwirt war sein gleichnamiger Sohn Wilhelm Pilling (1881-1930). Der stadtbekannte Bürger und Ratsherr machte das Gasthaus Pilling zu einem der bevorzugten Vereins- und Stammlokalen der Burgstadt. Hier trafen sich Drahtzieher wie Reidemeister, hier tagten unter anderem der Gardeverein, der Landwehr-Gesangverein, die dritte Feuerwehrkompanie, die Friedrich-Wilhelms-Gesellschaft, die Teichgenossenschaft, der Männergesangverein "Liederkranz" sowie die "Abendgesellschaft auf dem Trott".

Nach dem frühen Tod Wilhelm Pillings führte dessen Witwe Paula geb. Mühlhoff (geb. 1889) die Gastwirtschaft weiter.

1955 folgte ihre Tochter Anneliese (geb. 1915), mit der 1982 die letzte Angehörige der alten Wirtedynastie starb.

Drei Jahre später musste ihr zweiter Ehemann Karl-Heinz Pilling das Haus aufgeben.

 

Nach erfolgloser Zwangsversteigerung blieb es bei der Sparkasse. Die verkaufte es an Dr. Meier, einen ehemaligen Direktor der Iserlohner Brauerei. Zehn Jahre mit drei glücklosen Pächtern gingen vorüber.

 

1996 kauften Franz-Georg und Renate Brillert das Haus. In Anknüpfung an seine alte Tradition bewirtschaften sie es seitdem erfolgreich.

 

 

Am Rande notiert:

 

Gründung 1724

Das Gründungsjahr ist nicht genau belegt. Es stützt sich auf eine Inschrift am Haus. Im Stadtarchiv konnte erst ein paar Jahre später ein Pilling dokumentiert werden.

 

Klettersäule Eine Berühmtheit eigener Art stellt die gusseiserne Säule in der Mitte des Schankraumes dar, die sogenannte Klettersäule. In früheren Zeiten zeigten die Altenaer daran ihre Stärke und Gewandtheit. Wer diese glatte Säule hinaufklettern, alle vier Ecken des Kapitells küssen und dann oben ein Glas Bier, das ihm gereicht wurde, leeren konnte, brauchte dieses nicht zu bezahlen.

 

Namensforschung

Pillingsen oder verkürzt Pilling hieß in der altdeutschen Bedeutung „die Herren des Beils“. Das Wappen mit dem Beil an der Hausfassade erinnert noch heute daran.

 

Anneliese Pilling

Der Lebensweg der Anneliese Pilling lässt sich genau nachvollziehen. Er wurde 1999 anlässlich der 275-Jahr-Feier von Haus Pilling veröffentlicht: Sie wurde 1915 in Altena geboren, wo ihre Eltern die Gastwirtschaft betrieben. In Altena wuchs sie auf, ihre Ausbildung machte sie in Eisenach und Berlin. Mit ihrem ersten Ehemann Dr. Ernst Heinrich zog sie nach Niederschlesien. 1944 waren sie nach der Flucht kurz in Altena, zogen dann nach Norddeutschland. Erst in den späteren Nachkriegsjahren kamen sie wieder nach Altena. Dort ließen sie sich scheiden, Anneliese Pilling übernahm 1955 die Gastwirtschaft ihrer Eltern. 1979 heiratete sie ihren Untermieter Karl-Heinz. 1982 starb Anneliese Pilling an Herzversagen.

Anneliese Pilling mit Freundinnen. Sie lebensfrohe und resolute Wirtin galt schon zu Lebzeiten als echtes Altenaer-Original.

 

 

Quellen:

Altenaer Kreisblatt von 1999

www.wikipedia.de / 2016

http://hauspilling.homepage.t-online.de / 2016

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Autor: Christian Klimpel / 2016; Mailto: christian.klimpel@gmx.de

Bild: www.schuetzenfest-t-shirt.de