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Schützenlexikon

Pott Jost

 

1. Schutzpatron der Altenaer Schützen
2. Sagengestalt in Altena
3. Das Kapital der Altenaer Schützen
4. Jubelruf der Altenaer Schützen

 

zu 1.: Schutzpatron der Altenaer Schützen

In jeder kirchlichen Gilde, als welche die Schützengesellschaft zu Altena begann, wurde ein Schutzpatron bestimmt. Der bekannteste Schutzpatron von Schützengilden war und ist der hl. Sebastian, den noch heute viele umliegende Schützenvereine in ihrem Namen führen.

 

Die Altenaer Schützen erwählten sich jedoch einen anderen Schutzpatron. Strittig ist, ob es sich hierbei um den heiligen Jacobus d.Ä. oder den heiligen Jodokus handelte.

 

Die Existenz beider Personen ist belegt, jedoch sind ihre Identitäten im Laufe der Weltgeschichte wohl ziemlich miteinander vermengt worden: Nadine Hampel vertritt in ihrem Buch "Das Schützenfest als kultureller Sonderfall; 2010" in dieser Frage eine andere These als Wilhelm Simons (Altena und seine Schützen; 1967) und Gerd Klimpel (www.klimpelsjunge.jimdo.de; 2014):

 

Nadine Hampel vermutet, dass die Altenaer sich den heiligen St. JACOBUS oder auch Jobst genannt, als Schutzpatron erwählten, woraus mit ein wenig Dialekt Jost wurde.

Für diese These spricht:
◾ Zusammen mit seinem Bruder Johannes gehört Jakobus neben Andreas und Simon Petrus zu den erstberufenen Jüngern von Jesus Christus.
◾ St. Jakobus (oder auch hl. Jakob) ist u.a. der Schutzpatron der Krieger und der Arbeiter.
◾ Seit dem 8. Jahrhundert ist sein Gedenktag der 25. Juli, an dem im Mittelalter in vielen Gegenden Europas Erntefeste oder Kirmes gefeiert wurde. Zeitweise fand auch das Schützenfest in Altena an diesem Tage statt.
◾ Historisch überliefert ist, dass Graf Eberhard (der Bruder von Graf Adolf I von Altena) nach einer Schlacht so bestürzt war, dass er die Burg verließ und u.a. zum Grab des hl. Jacobus in Compostela pilgerte. Im Jahre 1129 wurde er Mönch.
◾ In Deutschland gibt es einige St.-Jakobus-Schützenbrüderschaften

 

Wilhelm Simons und Gerd Klimpel kamen bei ihren Recherchen jedoch zu einem anderen Ergebnis: Sie gehen davon aus, dass die Altenaer den hl. JODOKUS oder auch Jodok genannt, als Schutzpatron erwählten.

Für ihre These spricht:
◾ Jost oder auch Jobst sind deutsche Vor- und Familiennamen. Namensforscher sind sich einig, dass sie niederländischen Ursprungs sind und sich von Jodok bzw. Jodokus ableiten, was soviel wie Herr, Krieger oder Kämpfer bedeutet.
◾ In Deutschland gibt es einige St. Jodokus-Schützenbrüderschaften

Die weiteren bekannten Daten über Jodokus haben jedoch wenig mit Wehrorganisationen, Feiern oder Schützenfesten zu tun:
◾ Der hl. Jodok (auch Jodocus, Jodokus, Judochus, Jobst, Jost, Joost, Josse, Joist, Yuzek, Juzeg, Jeg, Jouveen, Judganoc u. a.) lebte im 7. Jahrhundert in der Bretagne.
◾ Er war ein Klostergründer, Einsiedler und Pilger.
◾ Er ist der Schutzpatron u.a. der Pilger, Bäcker und Kranken
◾ Sein Gedenktag ist der 13. Dezember.

 

Fazit:

Obwohl beide Heiligen belegbar sind, sind ihre Identitäten im Laufe der Weltgeschichte wohl ziemlich miteinander vermengt worden. Als Motiv in der Kunst werden beide als Pilger - mit Pilgerstab und Muschel - dargestellt.

In Tännesberg (Oberpfalz) wird seit 1796 jährlich eine große Reiterprozession zu Ehren von St. Jodokus durchgeführt. Diese findet jedoch nicht an dessen Gedenktag (13. Dezember) statt, sondern am vierten Sonntag im Juli - also rund um den Gedenktag des hl. Jakobus (25. Juli)

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Von altersher bis ins 18. Jahrhundert wurde eine reichverzierte Heiligenfigur des Schutzpatron bei den Umzügen mitgeführt. In den Schützenakten wird dies 1748 letztmals erwähnt und ein Bild dieser Figur ist leider nicht überliefert. Im 17. Jahrhundert wurde das Schützenspiel sogar als "Sünte-Jost-Fest" bezeichnet, doch mit der Zeit der Aufklärung im 18. Jahrhundert geriet der Heilige in Vergessenheit.

Möglicherweise auch deshalb, weil die Altenaer irgendwann nicht mehr wussten, ob ihr Patron Jost nun eigentlich der hl. Jakobus oder doch der hl. Jodokus war, erfand jemand einfach eine eigene Altenaer Sagengestalt: Pott Jost.

 

zu 2.: Sagengestalt in Altena

Laut einem Bericht des Altenaer Kreisblatt von 1962 wurde die Sage erstmals in den Aufzeichnungen des ehemaligen Hauptmann Castringius erwähnt, die er 1825 anfertigte. Im Jahre 1838 sei die Sage im Altenaer Kreisblatt veröffentlicht worden.

Nadine Hampel erklärt in ihrem Buch "Das Schützenfest als kultureller Sonderfall" von 2010, dass diese Sage erst 1846 entstanden sei. Ein heute unbekannter Mitbürger erdachte sich demnach folgendes:


Es war einmal ein Mann, der hieß Jost. Und weil er mit irdenen und steinernen Töpfen handelte, hieß man ihn überall, wo er hinkam, „Pott Jost“.

Als er nun von Limburg oder sonst woher nach Altena kommend, am Sassenscheid das Unglück hatte, mit seinen zerbrechlichen Waren zu fallen, so dass sie in Scherben brachen, legte Jost seine Rückentrage auf den Boden, drehte sie um, setzte sich drauf, zündete sich sein Pfeifchen an und dachte. „Der Herrgott wird's schon richten“. Er war als Kaufmann gefallen und als Bettler wieder aufgestanden, aber er haderte nicht mit seinem Schicksal. Und so kam er mit seinen Scherben nach Altena.

Wiewohl nun hier die armen Leute an seinem Unglück regen Anteil nahmen, so konnten sie ihn doch nicht mit Geld unterstützten, wie er es eigentlich erhofft hätte, sondern man gab ihm Noppen, das sind Drahtabfälle.

So blieb er in der Not, die aber bekanntlicherweise erfinderisch macht. Und so kam er auf den glücklichen Gedanken, mit diesen Drahtresten die Töpfe wieder zusammenzubinden. Und so konnte er die auf diese Weise wiederhergestellte Ware verkaufen.

 

Pott Jost starb, aber seine Erfindung, Tontöpfe mit Draht zu umwirken, wurde in vielen Gegenden derart genutzt, daß man in den Töpfereien gleich die neuen Töpfe mit einem dichten Drahtgewebe umzog.

Als die Drahtzöger nun hierdurch von Jahr zu Jahr immer mehr Arbeit bekamen und der Wohlstand in der kleinen Stadt wuchs, erinnerten sich die Altenaer des Mannes, dem sie so viel Segen zu verdanken hatten, und wollten ihm ein Denkmal errichten. Hierfür wurde von jeder Person, die direkt oder indirekt an der Drahtzieherei beteiligt war, eine Abgabe in Höhe von 1 ½ Stübern gegeben.

Da man sich aber nicht einigen konnte, an welchem Ort das Denkmal aufgestellt und aus welchem Material es gefertigt werden sollte, wurde das Geld nicht verwendet, und es hatte sich mit Zins und Zinseszins fast verdoppelt.Es wurde beschlossen, dieses Geld noch weitere 50 Jahre rentbar anzulegen und danach die Zinsen dafür zu nutzen, um sie bei Schießübungen mit heiterer Musik und gutem Doppelbier zu verzehren, sobald drei ehrbare Bürger, drei vernünftige Frauleute und ebensoviele folgsame und dienstergebene Knechte darauf antrügen. Die Zinsen sowohl als das Kapital dürfen bis zum Untergang der Welt zu keinem anderen Zwecke verwendet werden.

Es solle sich bei der Feier, so heißt es weiter, keiner zu vornehm und keiner zu gering dünken und mit jedem wie mit seinem Bruder verkehren, indem die Geschichte zeige, wie durch einen einzigen Fall aus dem Kaufmann ein Bettler werden und wiederum der Geringste die

Wohlhabenheit einer ganzen Stadt hervorbringen könne.

Quelle: Gerd Klimpel; www.klimpelsjunge.jimdo.de; 2014

 

1873 wurde ein Maler beauftragt ein Bild vom Schutzpatron Pott-Jost zu fertigen. Die Tradition, dieses Bild auf dem Thron hängen zu haben wird auch heute noch eingehalten.

Dem Schützenzug wird es jedoch nicht mehr vorangetragen.

 

 

1985 erfolgte der ersten Spatenstich für den Bau einer großen Brücke im Süden der Innenstadt: Die „Pott-Jost-Brücke“. An ihrem Fuße steht das Pott-Jost-Denkmal vom bekannten Bildhauer Peter Klassen.

Die Statur wurde den Bürgern Altenas von der Friedrich-Wilhelms-Gesellschaft gewidmet.

 

zu 3.: Das Kapital der Schützengesellschaft

In der ältesten überlieferten Schützenordnung aus dem Jahr um 1580 ist festgelegt, dass der Schützenkönig eine halbe Tonne Bier ausgeben musste. Eine weitere halbe Tonne gab der Bürgermeister und eine halbe Tonne wurde von Pott Jost gespendet.

Wilhelm Simons ist sich in seinem Buch sicher, dass mit dieser Redewendung das Kapital der Schützen, also quasi das Vereinsvermögen, gemeint sein musste.

Diese Erklärung deckt sich auch damit, dass im Jahre 1641 das Amt "St. Jostes Formünder" ein erstes und gleichzeitig letztes Mal in Erscheinung trat. Wilhelm Simons ging davon aus, dass er sich dabei um den Verwalter des Kapitals, also den heutigen Rendant handelte.

 

zu 4.: Jubelruf "Pott Jost"

siehe Jubelruf...

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Autor: Christian Klimpel / 2016; Mailto: christian.klimpel@gmx.de

Foto 1: www.wikipedia.de (Gemeinfrei): Jakob der Ältere aus einem Fresko an der Kathedrale von Le Puy-en-Velay / 13. Jh.

Foto 2: Gerd Klimpel www.klimpelsjunge.jimdo.de / 2012

Foto 3: Gerd Klimpel www.klimpelsjunge.jimdo.de / 2012; Gemalt von Prechtel 1873