Noch 102 Tage bis zum Schützenfest!

Schützenlexikon

Schützenfahne


Übersicht

1. Allgemein

2. Heute in Altena

3. Geschichte

4. Beschreibung der Fahne

5. Fahnenweihe 2006

 

 


zu 1.: Allgemein

Eine "Fahne" (von althochdeutsch fano m. „Tuch, Fahne“, germanisch fanōn m. „Tuch“, verwandt mit lateinisch pannus „Tuch, Lappen“ und altgriechisch πήνος „Gewebe“) ist ein ein- oder mehrfarbiges, leeres oder mit Bildern oder Symbolen versehenes, meist rechteckiges Stück Tuch, das an einem Fahnenmast oder einem Fahnenstock meist mit Nägeln und verzierter Spitze befestigt ist und stellvertretend eine Gemeinschaft kennzeichnet: z.B. Vereinsfahne, Zunftfahne, Kirchenfahne, Truppenfahne.

Quelle: www.wikipedia.de

Schon die ältesten Aufzeichnungen berichten vielerorts von Fahnen, die bei Festumzügen vorangetragen wurden, sodass die Schützen symbolisch ihrer Fahne folgen können. Die Fahnen unterscheiden sich von Gesellschaft zu Gesellschaft, unterschiedliche Bilder, die meist mit der Stadt zu tun haben und unterschiedliche Mottos zieren die Seiten der Fahne.

Quelle: Nadine Hampel; Das Schützenfest als kultureller Sonderfall; 2010

Die Fahne der Friedrich-Wilhelms-Gesellschaft ist keinesfalls mit den grün-weißen oder rot-grün-weißen Wimpeln und Bannern zu verwechseln, die bei den Veranstaltungen der Schützen als Schmuck dienen.


zu 2.: Heute in Altena

Die heutige Fahne der Friedrich-Wilhelms-Gesellschaft wurde zum Schützenfest 2006 beschafft und von Pfarrerin Gudrun Vogel und Kreisdechant Bernward Mezger auf dem Bungern geweiht. Es handelt es sich dabei um die vierte Fahne der Schützengesellschaft seit 1429. Ihre Elemente, ihre Form und ihre Symbole entsprechen nachweislich der Fahne von 1686 und haben sich seitdem kaum verändert.

Als Symbol für Wiedererkennung, Zusammengehörigkeit und Einzigartigkeit unter den anderen Gesellschaften, führt die Fahne traditionell den Festzug an. Sie wird aber nicht nur bei den Schützenfesten gebraucht, sondern geht bei allen Beerdigungen von Vorstandsmitgliedern mit.

Der Fähnrich ist für die Fahne verantwortlich. Er wird von drei Zugführern oder Scheffen der Fahnengruppe unterstützt.

Das "Fähnlein" von 1429 existiert heute nicht mehr und ihr Motiv ist unbekannt. Die zweite Schützenfahne von 1686 ist im Heimatmuseum der Burg Altena ausgestellt. Die dritte Fahne von 1912 schmückt seit 2018 die Schalterhalle der Sparkassenfiliale am Markaner.


zu 3.: Geschichte
Die älteste erhaltene Fahne von 1686 im Burgmuseum

Bereits in der ältesten überlieferten Schützenordnung aus dem Jahre 1429 wird unter Punkt 8 das "Fähnlein" erwähnt:

Achtens sollen Habbecke und Adolf Bergfeld das Fähnlein instand halten,
dafür, dass sie den Ausgang in den Bungern nehmen dürfen, den sie
im Notfall gebrauchen sollen.

 

1686 ließ die ehrbare Schützengesellschaft "an Platz des zerrißenen Fähnleins" für 25 Thaler ein neues in Köln anfertigen. Neben der lateinischen Inschrift „Reddit Conjunctio Tutos“ (Eintracht macht sicher) zeigte es in der Mitte einen fliegenden Adler, der einige auf dem Wasser schwimmende Gänse zu erhaschen trachtet, solche aber, weil sie sich getreulich zusammenhalten, nicht anfallen darf.

Als dann im selben Jahr, am 29. Juli ein Schützenspiel im Bungarten gehalten wurde und Heinrich Wortmann den Vogel schoss, konnte die neue Fahne ihrer Bestimmung übergeben werden.

226 Jahre hielt diese zweite Schützenfahne und überstand dabei 35 Schützenfeste. Sie wird heute in einer Vitrine auf Burg Altena ausgestellt.

 

Die Fahne wurde 1912 gegen ein neues Exemplar ausgetauscht. Dabei wurde das Motiv von 1686 übernommen. Die dritte Fahne der Altenaer Schützengesellschaft wurde in der Bonner Fahnenfabrik hergestellt und kostete 1200 Mark.

1934

1934 fand das erste Schützenfest in der Zeit des Dritten Reiches statt. Es war noch weitgehend frei von nationalsozialistischen Einflüssen. Allerdings nahmen neuerdings die Spitzen der lokalen Behörden an den Feierlichkeiten teil, damit eine Kontrolle „in angemessener Weise“ gewährleistet war. Die Anwesenheit der NSDAP wurde dadurch zur Schau gestellt, dass der Kreisleiter am ersten Festtag einen Hakenkreuzwimpel an die Fahne heftete.

1937 wurde veranlasst, dass beim Schützenumzug neben der Gesellschaftsfahne auch die Fahne des "Reichsbundes für Leibesübungen" getragen wurde. Als Landesfahne wurde allerdings eine schwarz-rot-goldene Fahne, keine schwarz-weiß-rote getragen, ein sehr kontroverser Aspekt.

1956 wurde die neue Königskette entworfen. Auf einer ihrer Plaketten ist das Motto der Fahne abgebildet.

1970 wird erstmals die Fahnengruppe in der Festordnung erwähnt, die den Fähnrich unterstützt.

1995 führen Mitarbeiter der Bonner Fahnenfabrik in Altena Gespräche mit dem Vorstand über eine neue Fahne. Zum Entsetzen des damaligen Fähnrichs Peter Wilm Schmidt, ersetzen sie dabei die schwarz-rot-weißen Fransen gegen goldene.

Mit dem Schützenfest 2003 hat die dritte Fahne insgesamt 25 Schützenfeste ausgehalten. Wunsch des Vorstands war es, dass die Fahne 100 Jahre (bis 2009) im Dienst bleibe, doch war Fähnrich Peter-Wilm Schmidt sicher: "Das hätte der Stoff nicht mehr ausgehalten."

2005 muss an der Fahne eine Notsicherung vorgenommen werden, der Stoff wurde durch zusätzliche Fäden haltbarer gemacht. Am 03. Mai konnte endlich die neue Fahne bestellt werden. Sie kostete 6800 Euro.

Die vierte Fahne der Altenaer Schützen wird beim Schützenfest 2006 von Pfarrerin Gudrun Vogel und Kreisdechant Bernward Mezger auf dem Bungern geweiht. Auch sie zeigt das historisch überlieferte Motiv.

Zum 100jährigen Bestehen der dritten Fahne wird diese beim Schützenfest 2009 gemeinsam mit der vierten Fahne noch einmal auf dem Bungern präsentiert.


zu 4.: Beschreibung der Fahne

Auf der einen Seite befindet sich, auf blau-weiß gestreiftem Untergrund, ein Bild, in dem eine Gruppe Schwäne einen eindrucksvollen Adler abwehrt. Dieses Bild ist umgeben vom althergebrachten Motto "Reddit conjunctio tutos“, was so viel bedeuten soll wie "Einigkeit macht stark".

Die andere, in grün gehaltene Seite, zeigt das Wappen der Stadt Altena umgeben von grünen Eichenzweigen. Darüber und darunter befinden sich Bilder, die das Leben der Stadt zeigen, Drahtzieher, die Burg und andere wichtige Gebäude. Eingerahmt wird dieses Gesamtbild von einem Leitsatz, der den Schützen immer Durchhaltevermögen und Hoffnung geben sollte: „Vier Ecken Stein, wie der auch fällt, sich immer auf die Seite stellt.“ Egal was die Jahrhunderte den Schützen und der Stadt noch bringen mögen, die Fahne soll stets stolz voranflattern und die Schützen sollen niemals ihrer Stadt und ihrer Fahne untreu sein.

Quelle: Nadine Hampel, Das Schützenfest als kultureller Sonderfall; 2010


zu 5.: Fahnenweihe 2006
Fahnenweihe 2006
Ankündigung der Fahnenweihe 2006 (Hauptmann):
Liebe Schützen, Ihr habt es alle in der Presse gelesen: Als erstes heute Abend die Fahnenweihe. Kompanie stillgestanden! Richt euch! Augen geradeaus! Zum Einmarsch der neuen Fahne Augen rechts!

Aufzug der Fahnengruppe

 

Pfarrerin Gudrun Vogel:
Die Welt zu Gast bei Freunden! Das ist das Eine, liebe Schützen, liebes Königspaar, verehrte Gäste. Das andere ist das Schützenfest in Altena. Und hier wie dort geht es um Teamgeist, hier wir dort gibt es königliche Schüsse und hier wie dort wird in diesen Tagen deutlich sichtbar, wie wichtig es ist, Flagge zu zeigen, Farbe zu bekennen. Dabei hat nicht jeder Altenaer Schütze ne Fahne - noch nicht! Aber alle Altenaer Schützen haben gemeinsam EINE Fahne, eine Neue sogar, und wo immer diese neue Fahne in Zukunft hin marschiert, marschieren die Schützen hinterher. Eine Fahne zu haben bietet Orientierung, denn sie ist Programm. Dabei geht es nicht nur darum, alle drei Jahre fröhlich miteinander Schützenfest zu feiern, sondern, wer uns hier vorne sieht, einen katholischen Dechanten und eine evangelische Pfarrerin, mithin einen Mann und eine Frau, und wer sich umsieht, so wie die Gänse auf der Fahne sich eine nach der anderen umsehen, wer sich einmal umschaut und dabei die verschiedenen Berufe, die verschiedenen Altersgruppen und die ganz unterschiedlichen Lebensgeschichten unter den einheitlichen grünen Mützen erkennt, der bekommt eine Ahnung von dem, was die neue Fahne, ebenso wie die Alte, symbolisiert. Der bekommt eine Ahnung von der verbindenden Kraft der Friedrich-Wilhelms-Gesellschaft, deren neue Fahne wir heute weihen wollen.

Wir übergeben sie damit ihrer Bestimmung und gleichzeitig nehmen wir sie als Symbol der Gesellschaft an. Sie wird mit Stolz getragen werden, so, wie die alte mit Stolz getragen wurde. Und sie wird die Schützen zu ihrem Fest geleiten, sie wird als Zeichen der Wertschätzung die Verstorbenen ein letztes Mal grüßen und die Verbundenheit der Friedrich-Wilhelms-Gesellschaft bezeugen. Einer Gesellschaft, die eben nicht nur eine Schießgesellschaft ist und war, sondern die sich in früheren Tagen den Schutz und die Erhaltung der Stadt, heute eher die Bewahrung der Traditionen zur Aufgabe gemacht hat.

Und so, wie die Fahne in ihren Bildern und Worten für die Pflege der Gemeinschaft steht, bitten wir bei dieser Weihe in erster Linie um den Segen für die, die sich unter und hinter ihr versammeln. Wir bitten um Gottes guten Geist für die, die sich im Sinne der Gesellschaft füreinander einsetzen und die so, mit dieser Fahne als Symbol, sich einander verpflichtet fühlen. Das dies keine leeren Phrasen sind, konnte man in den letzten Wochen und Tagen erleben, als so viele, vor allem junge Menschen, unermüdlich waren in ihrem Einsatz, um die Straßen der Stadt vorzubereiten, auf unser großes Fest.

Nehmen wir also die Fahne der Friedrich-Wilhelms-Gesellschaft bei, lassen wir uns darauf ein, uns von ihr erinnern und ermahnen zu lassen, damit unsere Freude vollkommen werde, so, wie es im Philipper-Brief heißt:

Gibt es nun bei Euch Ermahnung in Christus, Zuspruch aus Liebe, eine Gemeinschaft des Geistes, herzliche Zuneigung und Barmherzigkeit, so macht meine Freude dadurch vollkommen, dass Ihr eines Sinnes seid, gleiche Liebe habt, einmütig und einträchtig seid. Tut nichts aus Ehrgeiz und nichts aus Prahlerei, sondern in Demut achte einer den anderen höher als sich selbst, und ein jeder sehe nicht nur auf das seine, sondern auch auf das, was dem anderen dient. (Philipper 2, 1-4)

 

Erinnerung an die Fahnenweihe 1912
Dechant Bernward Mezqer:
Liebe Schützenbrüder, wenn ich den Apostel Paulus so reden höre, da bin ich fast versucht zu sagen, er könnte Ehrenscheffe oder gar Patron der Friedrich-Wilhelms-Gesellschaft sein, wobei unser Patronat schon durch den heiligen Jodokus besetzt ist, den wir eher unter seinem Spitznamen Pott Jost verehren. ... Einfach einnehmig und eines Sinnes zu sein, dazu müssen wir uns ja nicht gerade ermahnen lassen. Wenn ich einem, der hier fremd ist, erklären müsste, was die Friedrich-Willhelms-Gesellschaft und ihr Schützenfest ausmacht, dann würde ich es fast genau mit diesen Worten tun.

Die Gründungsväter haben der Friedrich-Wilhelms-Gesellschaft einen Wahlspruch mit auf den Weg gegeben, der schon die alte Schützenfahne geziert hat und nun auch auf der neuen zu sehen ist: Reddit Conjunctio Tutos. Der Landrat Fritz Thomee hat das auf der letzten Fahnenweihe 1912 etwas mutig übersetzt: Einigkeit macht stark. Sein Lateinlehrer möge ihm verzeihen.

Denn die Worte "Einigkeit macht uns stark" stehen da nicht. Ist allerdings ein bisschen schwierig, die Lateinstunden will ich heute trotzdem nachholen: Also, conjunctio , das ist in der Tat die Vereinigung, die Gesellschaft, wir reden über uns. Reddit, da wird’s schon schwieriger. Es heißt: sie gewährt. Mögen bitte die Herren im Vorstand, die Scheffen das als Appell betrachten, großzügig zu sein, uns etwas zu gewähre in diesen Tagen. Man könnte es auch übersetzen: Sie macht zu etwas, sie macht etwas mit uns. In der Tat, ich merke es. Sie lässt vor allem jeden von uns spüren, dass er hier zählt, dass er wichtig und unverzichtbar ist. Eine weitere Möglichkeit wäre: es versetzt in einen Zustand. (Ich kenne diesen Zustand, ich genieße ihn, jedenfalls am Abend. Den Morgen danach rede ich mit meinem Beichtvater.) Die Gesellschaft macht also etwas mit uns. Tutos. Die Schützen. Das lateinische Wort gibt es leider nicht. Tutos, das sind diejenigen, die etwas bewahrt haben oder die sich um etwas gekümmert, es beschützt haben, sie haben das schon gemacht. Ich glaube, darum geht es. Eben nicht darum, dass wir alle drei Jahre die Schützenmütze aus dem Schrank holen und gucken, ob sie von den Motten verschont geblieben ist. Nein, keine Angst, die Motten mögen kein Bier! Sondern es geht darum, dass wir mit Leib und Seele in dieser Gesellschaft sind, dass wir uns dafür einsetzen, dass Freundschaft, Eintracht, Zusammenhalt leben in dieser Stadt, dass diese Stadt Altena lebenswert und liebenswert, dass Menschen, die hier hinkommen und ganz fremd sind, merken: Wir sind hier zu Gast bei Freunden.

 

Spieß:
Kompanie stillgestanden! Mützen ab zum Gebet!

 

Dechant Bernward Mezger:
Der Name des Herrn sei gepriesen, von nun an bis in Ewigkeit.

Lasst uns beten.

Du Ursprung aller Gemeinschaft. Segne die neue Fahne unserer Friedrich-Wilhelms- Gesellschaft und schließe alle, die diesem Zeichen folgen, zu einer Gemeinschaft des Friedens und der Hilfsbereitschaft zusammen. Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn. Amen.

Und das Weihwasser, mit dem die Fahne nun besprengt wird, ist ein Zeichen, nicht nur der Taufe, die viele von uns empfangen haben, sondern des Lebens [...]

 

Pfarrerin Gudrun Vogel:
Herr unser Gott, wir danken Dir, dass es auch in Altena Menschen gibt, die für das Wohl der Stadt einstehen und die sich in fröhlicher Gemeinschaft treffen. Schließe alle, die sich unter dieser Fahne [...]

Lass diese Fahne Ermutigung und Ermahnung sein, zum Verantwortungsbewusstsein und gegenseitiger Hilfe. Lass sie zum Zeichen werden für unsere Bereitschaft, die Freude am Leben miteinander zu teilen. Und gemeinsam beten wir:

Vater unser im Himmel. Geheiligt werde Dein Name. Dein Reich komme, Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden. Unser tägliches Brot gib uns heute und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern. Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen. Denn Dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit, in Ewigkeit. Amen.

Herr, unser Gott, erhöre unser Gebet und schenke unserer Zeit Frieden von Deinem Frieden, damit Dein Geist der Freude bei unseren Feiern ist. Amen.

 

Spieß:
Mützen auf!

 

Blasorchester:
Großer Gott, wir loben Dich

Vom Film abgeschrieben von Ariane Schmidt im Herbst 2006


Autor: Christian Klimpel / 2016; Mailto: christian.klimpel@gmx.de

Foto 1: Unbekannter Fotograf

Foto 2: Gerd Klimpel / 2012

Foto 3: Quelle "Altena und seine Schützen" /1934

Foto 4: unbekannt

Foto 5: Quelle "Altena und seine Schützen"

Foto 6: Quelle Stadtchronik 2006

Foto 7: Christian Klimpel /2017