Noch 194 Tage bis zum Schützenfest!

Schützenlexikon

Spielmannszug

Vorwort

Spielmannszüge, Blasorchester, Marsch- und Militärmusik: Die Musik gehört einfach zur Friedrich-Wilhelms-Gesellschaft dazu. Allein bei unseren Schützenfesten sind circa 300 Musiker aus über 10 Musikzügen und Orchestern im Einsatz und spielen dabei insgesamt über 3500 Stunden Marsch- und Tanzmusik. Grund genug in diesem Schützenlexikon auch den Spielmannszügen und Blasorchestern einige Zeilen zu widmen.

Dem Autor wird es nicht gelingen hier allen Spielmannszügen und Orchestern, die unsere Schützenfeste bereichern und bereichert haben, ausreichend gerecht zu werden. Ihr Verdienst soll keineswegs geschmälert werden, wenn hier nach einer kleinen Einführung das Hauptaugenmerk auf den Spielmannszug Altena-Rahmede und das Blasorchester Altena gelegt werden. Diese beiden Vereine verbindet ein besonderes geschichtliches Band mit der unserer geliebten Friedrich-Wilhelms-Gesellschaft.

 

Allgemein: Geschichte des Spielmannswesen

Der Ausdruck Spielmann und das Pfeiferrecht lässt sich bis ins 8. Jahrhundert zurückverfolgen. Aufzeichnungen aus dem 13. Jahrhundert ist zu entnehmen, dass Flöte und Trommel gemeinsam gespielt wurden (ein „Spyl“). Horn-, Flöten- und Trompetensignale sind schon frühzeitig aus dem Militärwesen bekannt (Fanfare / Signal). Aufmärsche, Gefechts- und Alarmübungen wurden im Gleichschritt vorgenommen, unterstützt durch das Spielen von Flöten und anderen Blasinstrumenten sowie dem Trommelschlag.

Im deutschen Heer des späten 19. Jahrhunderts umfasst der Spielmannszug die Tamboure und Hornisten der Infanterie, die Signale zu geben und Märsche zu spielen hatten. Jede Kompanie hatte zwei Tamboure und zwei mit Hörnern und Querpfeifen ausgerüstete Hornisten. Spielleute bei der Kavallerie wurden Trompeter genannt. Besonders in den ehemals im 19. Jahrhundert französisch besetzten Gebieten Deutschlands ist in Anlehnung an die vorgenannten französischstämmigen Begriffe als Bezeichnung für Spielmannszüge auch der Begriff Tambourchor oder Tambourcorps anzutreffen.

Mit den aufkommenden Turnfesten und den damit verbundenen Umzügen wurde auch die Spielmannsmusik zu einem festen Bestandteil dieser Feste. Sie entwickelte sich damit vom militärischen Ursprung der Marschunterstützung hin zum konzertanten Musizieren. So spielten in der Deutschen Turnerschaft im Jahr 1922 in Leipzig 220, im Jahr 1925 in Frankfurt 2000 und im Jahr 1926 in Leipzig 4200 Spielleute auf.

In der Zeit des Nationalsozialismus von 1933 bis 1945 wurde das Spielmannswesen von der Nationalsozialistischen Partei für ihre Selbstdarstellungs- und Propagandazwecke vereinnahmt. Der konzertante Bereich trat in den Hintergrund. Das Turnerspielmannswesen erlosch damit nach relativ kurzer Zeit. Für die Propaganda der Nationalsozialisten waren die Spielmannszüge von SA und SS von Bedeutung. Aufgetreten sind diese Spielmannszüge bei den Reichsparteitagen in Nürnberg und bei regionalen Veranstaltungen. Mit Beginn des Zweiten Weltkrieges brauchte man die regionalen Spielmannszüge nicht mehr, außerdem wurden die Musiker als Soldaten eingezogen.

Nach dem Zweiten Weltkrieg formierten sich im gesamten Bundesgebiet wieder Spielleutegruppen, zunächst ohne eine Verbandszugehörigkeit. Im 1950 gegründeten Deutschen Turner-Bund formierten sich erstmals Spielleutegruppen wieder. Beim Deutschen Turnfest 1953 in Hamburg traten bereits 3000 Spielleute auf.

Auch in den Feuerwehren sind in Deutschland heute viele Spielmannszüge organisiert, teils als reine Spielmannszüge mit Pfeifen und Trommeln, teils als Spielmanns- und Fanfarenzüge. (…)

 

Spielmannszüge gehören häufig Vereinen oder Organisationen an. Die Zugehörigkeit variiert regional, häufiger gehören Spielmannszüge zu:

Feuerwehr (Kleidungsfarbe: blau);

Schützenverein (Kleidungsfarbe: grün);

Turnverein (Kleidungsfarbe: grau/ blau, blau/ weiß oder nur weiß);

Karnevalsverein;

andere Vereine, teilweise einem Spielleute-Verband angehörig

Quelle: www.wikipedia.de / 2016

 

Geschichte des Spielmannswesen in der Friedrich-Wilhelms-Gesellschaft

Wie bei allen guten Festen wird auch schon bei den allerersten Schützenfesten Musik eine Rolle gespielte haben - leider ist dazu wenig überliefert. Im Jahre 1850 wurde erstmals Militärmusik beim Schützenfest in Altena gespielt. Dazu reiste das 16. Inf.Reg. aus Düsseldorf an. Es wurde ausdrücklich vereinbart, dass die Musiker in Uniform spielen.

Seitdem ist die Marschmusik beim Schützenfest in Altena nicht mehr wegzudenken.

 

Später bildeten sich auch in Altena Spielmannszüge u.a. beim Turnverein Deutsche Eiche, Männerturnverein MTV 1860 Altena und Vereinigte Deutsche Metallwerke VDM Schwarzenstein. Der II. Weltkrieg brachte diese Musikzüge alle zum Erliegen.

 

Blasorchester Altena

Im Jahre 1934 wurde die ehemalige Werkskapelle der Firma Berg gegründet. Joseph Hensel wurde mit dieser Aufgabe beauftragt und die Übungsstunden fanden zunächst nach der Arbeitszeit statt. Das erste Konzert wurde am 19. Dezember des gleichen Jahres noch im Fabrikhof der Firma durchgeführt.

1950 übernahm Herr Wilhelm Kraus den Dirigentenstab. Leider musste er 1953 krankheitsbedingt den Taktstock beiseite legen. Nach monatelanger Suche fand das Orchester Herrn Musikdirektor Walter Huhn. Doch auch dieser trat bald wegen seines hohen Alters zurück. Nach einer Versammlung von mehreren Musiern übernahm nun Herr Fritz Mühlhoff die Leitung bis ins Jahr 1959 hinein.

1953 wurde der Werkskapelle auf Wunsch der Firma ein neuer Name gegeben. Die Musiker durften sich den Namen selbst aussuchen und einigten sich auf „Blasorchester Altena-Rahmede“. Für viele Jahre hatte Joachim Kirmse die musikalische Verantwortung.

Rüdiger Hegenscheidt wurde 1983 der Taktstock übergeben. Er hatte diese Position bis 2015 inne. Nach langjähriger Pause in der Jugendarbeit wurde 2000 wieder eine Jugendprobe ins Leben gerufen. (…)

 Im Jahre 2007 wird Thorsten Goslar die Leitung der Jugendprobe übertragen. (…) Ende Mai 2015 wurde Thorsten Goslar die Leitung des Blasorchesters übertragen.

Quelle: www.blasorchster-altena.de / 2016

 

Spielmannszug Altena-Rahmede

Der Spielmannszug Altena-Rahmede wurde 1950 gegründet. Als die Altenaer Schützen sich 1948/1949 mit dem Gedanken trugen die Friedrich-Wilhelms-Gesellschaft wieder zu gründen um im Jahre 1950 erstmals nach dem Zweiten Weltkrieg ein Schützenfest zu feiern, da wurden in der Burgstadt auch einige musikalisch vorbelastete Bürger aktiv. Zum Schützenfest gehört Musik, resümierten sie.

Doch woher nehmen in der damals schwierigen Zeit? „Man sollte einen Spielmannszug gründen…“ - Hauptinitiator dieser Idee war seinerzeit der Mitinhaber der Fa. Joh. Moritz Rump, Herbert Winter. Er scharrte die Schützen um sich, die früher schon in den Spielmannszügen des damaligen TV Deutsche Eiche, MTV 1860 Altena, VDM Schwarzenstein und Stahlhelm etc. ihr musikalisches Können bewiesen hatten.

Die Bereitschaft wieder zu musizieren war groß. So wurde bereits am 10. April 1950 in den Räumen der Fa. Rump ein Spielmannszug gegründet, der sich den Namen „Spielmannszug Altena-Rahmede“ gab. Gründer dieser Vereinigung waren H. Winter, E. Loettgers, E. Panne, M. Claas, H. Eick, E. Marquardt, P. Röttgers, E. Harte, R. Lienkämper, A. Nölle, B. Schulte, H. Munkelt, O. Hirschfelder, W. Meier und R. Kippstein.

Die benötigten Instrumente und Noten „erbettelten“ sich die Spielleute bei den zuvor genannten Vereinen, die vor und während der Krieges Spielmannszüge besessen hatten. Einheitliche Kleidung fehlte ebenfalls. Doch die Spielleute fanden einen Ausweg: Arbeitsfront-Mütze, dunkle Jacke, weiße Hose oder nur dunkler Anzug…

In diesem Aufzug stellte sich der Spielmannszug Altena-Rahmede zum ersten Mal öffentlich vor, als er den TV Städtisch Rahmede zum Abschluss seiner Himmelfahrtswanderung im Jahre 1950 von Zum Hohle die Rahmede hinunter zur alten Turnhalle von Städtisch Rahmede geleitete.

Das Schützenfest 1950 war die erste große Bewährungsprobe für die Spielleute, die diese Aufgabe mit Bravour lösten. Vierzehn aktive Spieler gehörten damals dem Verein an. Das „schwache Geschlecht“ und auch die Kinder oder Jugendlichen waren noch nicht in diesem Kreise vertreten. Außerdem wurde noch ohne Schlagzeug gespielt.

Quelle: Artikel aus einer Lokalzeitung / 2000

 

Weitere Musikzüge, Orchester und Spielmannszüge

Die nachfolgende Auflistung der Musikzüge, Orchester und Spielmannszüge, die das Schützenfest der Friedrich-Wilhelms-Gesellschaft bereichern oder bereichert haben, erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Die Nennung erfolgt ohne Wertung in alphabetischer Reihenfolge. Sie vermissen Sie in dieser Auflistung einen Musikzug? - Bitte schicken Sie uns eine Email!

  • 16. Inf.Reg. aus Düsseldorf 
  • Das 16. Infantrie Regiment war die erste Musikformation die 1850 Militärmusik beim Schützenfest in Altena spielte.

 

  • Altstadt-Big-Band Allendorf 
  • Die Big Band war Bestandteil des Musikverein Allendorf 1920 e.V. Bei den Schützenfesten in den 90iger Jahren wusste sie ihr Publikum in Altena hervorragend zu unterhalten.

 

  • Die Grün-weißen Teufel
  • Vorstandsmitglied der Kompanie Rahmede fanden sich zur Unterhaltung der Vorstandskollegen zum Musizieren zusammen. 1997 überreichte Heinrich Hahne den „Grün-weißen Teufeln“ sogar eigene Musikinstrumente.
  • Musikzierende Vorstandsmitglieder hatte auch die Kompanie Nette in den 90iger Jahren. Bei Vorstands- und Kompanieinternen Veranstaltungen spielte die namenlose Gruppe dann Marschmusik. 

 

  • Heeresmusikkorps 7 der Bundeswehr aus Düsseldorf
  • spielte beim Schützenkonzert 1996 im Haus Lennestein. Es wurde Ende 2006 im Zuge der Transformation der Bundeswehr bzw. der Auflösung der 7. Panzerdivision außer Dienst gestellt und am 30. Juni 2007 aufgelöst.

 

  • Musikverein Hagen-Allendorf 1920 e.V.
  • Informationen finden Sie unter www.musikverein-allendorf.de

 

  • Musikverein Neuenrade
  • Informationen finden Sie unter www.musikverein-neuenrade.de

 

  • Musikzug der Freiwilligen Feuerwehr Ennest
  • Informationen finden Sie unter www.musikzug-ennest.de

 

  • Musikzug des Versetaler Schützenvereins 1950 e.V. 

 

  • Paderborner Husaren
  • Die Tradition des Zapfenstreichs beim Schützenfest der FWG in ihrer heutigen Form geht auf die schmucken Paderborner Husaren unter der Leitung von Hugo Gerlach zurück. Der Zapfenstreich fand aber noch nicht im Bungern, sondern vor dem Haus des ehem. Hauptmann Stromberg in der Nette (Kronenstraße) statt. 1953 zelebrierten die Paderborner Husaren das Stück erstmals auf dem Bungern.

 

  • Spielmannszug der Freiwilligen Feuerwehr Altena
  • Der Spielmannszug wurde 1886 gegründet. Im Jahre 1965 zelebrierten die Musiker unter der Leitung von Werner Witte den Große Zapfenstreich beim Schützenfest zusammen mit dem Düsseldorfer Bundeswehr-Orchester. Später standen Karl-Heinz Heimbächer dem Spielsmannszug für viele Jahre vor. Nach dem Schützenfest 2009 stellte der Spielmannszug seine Aktivitäten ein. Danach wurde es still um sie. Eine Reihe der aktiven Mitglieder verließen die Runde, so dass die 24 Personen starke Gruppe nicht mehr spielfähig war. Im Jahr 2012 versuchte Frank Reithmeyer leider ohne Erfolg einen Neustart.

 

  • Spielmannszug des Schützenverein Evingsen
  • Der Spielmannszug wurde 1919 gegründet. Ausführliche Informationen zur Historie finden Sie auf der Homepage des Vereins: www.spielmannszug-evingsen.de

 

  • Spielmannszug Einigkeit Werdohl

 

  • Tambour-Corps Dahle
  • wurde 1923 gegründet. Informationen finden Sie unter www.tc-dahle.de

 

  • The Royal Artillery Alanbrooke Band
  • spielte beim Schützenkonzert 1993 im Haus Lennestein

 

  • TuRa Eggenscheid
  • TuRa „Frisch Auf“ Eggenscheid: Der Turnverein aus Lüdenscheid gründete 1911 einen Spielmannszug. Infos unter www.turaeggenscheid.de

 

  • Zögermusikanten
  • Die „Original Zögermusikanten“ begeistern seit 2002 mit Polka, Pop und Dixieland. Informationen finden Sie unter www.original-zoegermusikanten.de

 

 

Das musikalische Erbe von Ehrenscheffe Friedrich-Wilhelm Finkernagel

Musik war für Friedrich-Wilhelm Finkernagel ein Lebenselixier. Er ging darin auf, wenn beim Schützenfest die Blaskapellen aufspielten und er nahm gern auch mal den Taktstock in die Hand, um die Musiker zu dirigieren. Noch an seinem Todestag am 13. Januar 2011 gründete sich deshalb ein Förderverein, auf dessen Konto Spenden anlässlich der Beerdigung des Altenaer Unternehmers eingehen sollten. Dieser hat bislang 16 000 Euro an sechs Spielmannszüge und drei Blasorchester ausgeschüttet. Blumen und Kränze hätte Friedrich Wilhelm Finkernagel nicht gewollt. Als glühender Fan der heimischen und überörtlichen Kapellen war ihm deren nachhaltige Förderung eine Herzensangelegenheit. „Entsprechend schnell musste alles gehen, als er gestorben war“, erinnert sich Ingrid Ladwein. In Windeseile übernahm sie den Vorsitz des „Fördervereins FWF 2011 für musikalische Jugendarbeit“. Die Nummer des blitzschnell eingerichteten Bankkontos konnte daraufhin in der Todesanzeige des Industriellen veröffentlicht werden. Dem Spendenaufruf kamen zahlreiche Weggefährten nach. 2011 konnten 8000 Euro ausgezahlt werden, 2012 noch einmal die gleiche Summe. Nutznießer des Fördervereins sind das Altenaer Blasorchester, die Original Zögermusikanten, das Jugendblasorchester Werdohl / Versetal, der Musikverein Neuenrade, der Musikzug der Freiwilligen Feuerwehr Ennest, die Versetaler, das Tambourcorps Dahle und die Spielmannszüge Dahle und Evingsen. Könnte Friedrich Wilhelm Finkernagel heute sehen, mit welcher Begeisterung die Menschen dem Altenaer Blasorchester bei den öffentlichen Platzkonzerten am Lenneterrassencafé lauschen, wäre er bestimmt glücklich. Sein Sohn Kai als Cafébetreiber, Fördervereinsvorsitzende Ingrid Ladwein und ihr Stellvertreter Wolfgang Brühl, Ingrid Erdmann und Timo Finkernagel nahmen am Freitag beim zweiten und letzten Freiluftauftritt der Saison den Dank von Rüdiger Hegenscheid (Blasorchester Altena), Michael Bohne (Original Zögermusikanten) und Georg Tausch (Jugendblasorchester Werdohl) entgegen. Damit waren fast alle Fördervereinsmitglieder zugegen: Jens und Fritz-Uwe Finkernagel komplettieren den Verein, der gerade mal aus sieben Mitgliedern besteht und in der heimischen Musikszene trotzdem schon so viel bewegen konnte. Das soll so bleiben, weshalb der bislang stets im Hintergrund agierende Verein nun an die Öffentlichkeit tritt. Im Sinne von Friedrich Wilhelm Finkernagel wird die Förderarbeit fortgesetzt. Wer das unterstützen möchte, kann Spenden auf das Konto 3205487100 bei der Volksbank im Märkischen Kreis eG, Bankleitzahl 44761534, überweisen. Für weitere Informationen stehen sämtliche Fördervereinsmitglieder zur Verfügung. Nicht nur sie, sondern besonders die Musiker freuen sich über die Unterstützung.

Quelle: WR vom 19.09.2012

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Autor: Christian Klimpel / 2016; Mailto: christian.klimpel@gmx.de

Bild 1+2: Altenaer Blasorchester 1953

Bild 3: Björn Braun www.lokalstimme.de / 2015

Bild 4: Altenaer Blasorchster

Bild 5-8-: Björn Braun www.lokalstimme.de / 2015

Bild 9: WR aus 2012