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Schützenlexikon

Stapel

Ein Stapel beschreibt eine Kartellgesellschaft. Der Drahtstapel sorgte in über 80 Jahren für den wirtschaftlichen Wohlstand der Altenaer Reidemeister und deren Drahtziehern.

Das Stapelgebäude befand sich am Bungern. Eine Straße und der zweite Zug der Kompanie Freiheit wurden nach dem Stapel benannt.

 

Die Geschichte der Stapelgesellschaft

Das Gebiet rund um die Freiheit Altena ist seit Jahrhunderten der Hauptsitz der deutschen Drahtindustrie. 1986 gab es bundesweit 65 Drahtziehereien, davon haben 40 ihren Sitz im Märkischen Kreis, davon alleine 23 in Altena. Die Altenaer Drahtziehereien stehen in zwei Seitentälern der Lenne, im Nette- und im Rahmedetal. Von dort mag der Draht gekommen sein, der schon um 1200 herum in Iserlohn zu Panzerhemden verarbeitet wurde. Besondere Bedeutung in der Drahtindustrie hat das Jahr 1686. Damals einigten sich die heimischen Drahtproduzenten darauf, dass in Lüdenscheid der starke Draht gezogen werden sollte, in Altena der mittlere und in Iserlohn der feine Draht.

Die Kunst des Drahtziehens an Auswärtige zu verraten, war den Altener „Zögern“, den Reidemeistern und ihren Knechten, in früheren Jahrhunderten bei Strafe verboten. Im Original erhalten ist noch eine Urkunde aus dem Jahre 1518. Darin räumt der Herzog Johann von Cleve der Freiheit Altena das Privileg ein, den dort ansässigen Drahtziehern, den sogenannten „Zögern“, den Umzug in eine andere Stadt zu verbieten. Ein Recht, das Altena die Vorherrschaft bei der Drahtproduktion sichern sollte und das erst 1732 durch den Preussenkönig Friedrich Wilhelm den Ersten aufgehoben wurde. Er ordnete an, dass Altena Drahtzieher auch „auf dem Platten Lande“ dulden müsse, also ausserhalb der Stadt.

Und das hiess dann Konkurrenzkampf. Innerhalb der Freiheit Altena hatte es den schon viel früher gegeben. Ebenso Überproduktion und Absatzkrise. 1686 legten die Altener deshalb zum ersten Mal ihren Draht „auf Stapel“, das heisst, sie gründeten eine Genossenschaft für Ankauf, Lager und Verkauf des in Altena produzierten Drahtes. Die Gesellschaft, der „Drahtstapel“, die den Draht gegen Barzahlung zu festgesetzten Preisen kaufte, sollte durch ihre Lagerhaltung für eine künstliche Verknappung und damit zu einer Verteuerung des Drahtes sorgen. Eine Kartellgesellschaft, die nach heutigen Gesetzen nicht erlaubt wäre. Und die damals nicht lange Bestand hatte. Denn weil einige „Reidemeister“ – so hießen damals die selbständigen Drahtzieher – ihren Draht weiterhin selbst verkauften, ging der Konkurrenzkampf, der eigentlich hatte unterbunden werden sollen, munter weiter.

Das änderte sich erst 1744 mit einer Genossenschaft, die sämtliche Altenaer Drahtzieher unter Vertrag hatte. Dieser „Stapel“ hatte achtzig Jahre lang Bestand. Doch zurück zum Jahr 1686. Nicht nur der erste „Drahtstapel“ wurde in diesem Jahr errichtet, sondern 1686 kam es auch zu einer ersten Übereinkunft zwischen den Draht-Kontrahenten Altena und Lüdenscheid, wer welchen Draht herstellen durfte und wer nicht. 1734 trat diesem Vertrag die Stadt Iserlohn bei, und fortan wurde in Lüdenscheid der dicke Draht gezogen, in Altena der mittlere und in Iserlohn der feine Draht. Die Drahtzieher bewiesen damit schon recht früh kaufmännischen Weitblick, stärkte diese Absprache doch ihre Produktionskraft: Durch Rationalisierung konnten die Produktionskosten gesenkt und durch Spezialisierung die Qualität der Produkte gesteigert werden. Hinzu kam, dass die „Drahtstapel“, auch Iserlohn hatte gegen Ende des 18. Jahrhunderts eine solche Vertriebsgenossenschaft, für eine unternehmerfreundliche Preisbindung sorgten.

Konkurrenzkampf und niedrigere, verbraucherfreundliche Preise gab es erst wieder, nachdem Napoleon 1809 in deutschen Landen die Gewerbefreiheit eingeführt hatte. 1823 wurde in Altena der letzte „Drahtstapel“ aufgelöst. Das historische Stapelhaus stand im Bungern und wurde 1980 abgerissen.

Quelle. Sendematerial für „Forum West“, „Guten Morgen aus Essen“ und „Echo West“ aus Mai 1986.

 

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Autor: Christian Klimpel / 2016; Mailto: christian.klimpel@gmx.de

Fotos 1+2: Unbekannter Fotograf