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Schützenlexikon

Tiergarten

Im Sinne dieses Schützen-Lexikon beschreibt das Wort „Tiergarten“ eine Siedlung im Kelleramt. Innerhalb der FWG gehört diese Siedlung zum zweiten Zug der Kompanie Kelleramt. Darüber hinaus steht es allgemein für


◾einen Park oder Teil der Landschaft, in dem zur Zeit der frühen Neuzeit und während der Renaissance Jagdwild durch den Adel gehalten worden ist.
◾eine oftmals mit einer gärtnerischen ausgestaltete Anlage, die lebende Tiere verschiedener Arten für Publikum zur Schau stellt.

 

 

In Altena ist der Tiergarten eine Siedlung am nördlichen Ortseingang. Vom Tal der Lenne steigt die Siedlung an der Nordwestseite des Lattenberg hinauf. Der Lattenberg ist etwa 400 Meter hoch und die Siedlung reicht etwa bis zur halben Höhe des Berges.

Im Osten wird sie durch die Brachtenbecke, im Norden durch die Hagener Straße (B236) und im Westen durch das Lennetal an der Bahnhofstraße begrenzt.

Die Siedlung hat eine Größe von etwa 800 x 250 Metern mit sieben Straßen: Am Halse, Am Tiergarten, Holtzbrinckstraße, Graf-Adolf-Straße, Graf-Engelbert-Straße, Graf-Eberhard-Straße und Graf-Diedrich-Straße. Fast alle Straßen münden an die Graf-Adolf-Straße.

Ältester Teil der Siedlung ist die Straße Am Halse. Im Jahre 1788 wurde die Verbindungsstraße von Nachrodt nach Altena umfassend saniert. Dabei wurde zwischen Hünengraben und Tiergarten auch ein neues Teilstück angelegt (heute Bundesstraße 236 / Hagener Straße). Dazu musste der Felssporn zwischen Tiergarten und Hünengraben durchbrochen werden. Bis dahin war die Straße Am Halse die einzige direkte Verbindung zwischen der Freiheit Altena und der Brachtenbecke beziehungsweise dem damaligen Kelleramt. Zu jener Zeit gab es bereits vereinzelte Häuser in diesem Bereich.


Die Siedlung Tiergarten wurde schließlich rund um 1935 erschlossen und in den 70iger Jahren stark erweitert. Wurden in den Anfangsjahren ausschließlich private freistehende Einfamilienhäuser (teils mit Einliegerwohnungen) errichtet, wurden in den späteren Jahren auch vereinzelt Mehrfamilienhäuser gebaut.

Die Siedlung kann nach wie vor über die Straße Am Halse erreicht werden. Sie grenzt im Norden an die Hagener Straße und führt über die Hünenburg wieder hinab zur Bahnhofstraße im Westen.

In Höhe der Hünenburg befindet sich der Abzweig zur Graf-Adolf-Straße, die den Berg weiter hinaufführt. Früher gab es von hier auch einen direkten Fußweg zur Hagener Straße. Fünfizg Meter weiter bergwärts befindet sich eine Kreuzung. Die Graf-Adolf-Straße verläuft weiter geradeaus, rechts zweigt die Holtzbrinckstraße und links die Straße Am Tiergarten ab.

Die Holtzbrinckstraße ist eine Sackgasse. Hier steht u.a. das ehemalige Pfarrhaus der Melanchton-Kirche. Vom Wendeplatz der Holtzbrinckstraße führt ein Schleichweg zur Hagener Straße.

Die Straße Am Tiergarten führt in einem Bogen steil bergauf und mündet am oberen Ende wieder in die Graf-Adolf-Straße.

Die Graf-Adolf-Straße selbst führt an der Kreuzung geradeaus zur Graf-Engelbert-Straße.

 

An der dortigen Einmündung befindet sich die ehemalige evangelische Melanchton-Kirche. Sie wurde am 29.04.1962 eingeweiht und im März 2004 geschlossen.

Heute ist sie in Privateigentum und wird als Wohnhaus genutzt. Der Glockenturm ist jedoch erhalten geblieben und ihre Glocken läuten weiter. Dies ist der "Stromberg/Trappe Stiftung Altena“ zu verdanken, die 2006 gegründet wurde.

Die Graf-Engelbert-Straße ist ebenfalls eine Sackgasse. Von ihrem Wendeplatz führt ein Fußweg in die Brachtenbecke. Dort, wo heute die Graf-Engelbert-Straße ist, befand sich vorher eine Wiese des Bauer Winter vom Knerling. Sie wurde daher „Winters Wiese“ genannt.

Die Graf-Adolf-Straße führt in einem Bogen weiter den Berg hinauf, touchiert die Straße Am Tiergarten erneut und führt dann in einem weiter Bogen zum Abzweig der Graf-Eberhard-Straße.

Die Graf-Adolf-Straße führt hier geradeaus weiter und endet nach 500m in einer Sackgasse. Vom Wendeplatz führt hier ein weiterer Fußweg in die Brachtenbecke.


Folgt man am letzten Abzweig nach links in die Graf-Eberhard-Straße, führt der Weg nun steil bergauf und an der linken Seite befindet sich ein weiteres sakrales Gebäude, das als Kirche „Vom Frieden Christi“ gebaut worden war:

Die Kirche "Vom Frieden Christi" war die zweite katholische Kirche, die in der damaligen Kreisstadt Altena / Westf. gebaut wurde.

Nach dem Krieg war die katholische Gemeinde in Altena groß geworden. Die Entfernung zur Pfarrkirche St. Matthäus war für die Gemeindemitglieder in den entlegenen Stadtteilen, die infolge des Zustroms durch die Flüchtlinge immer mehr bebaut und besiedelt wurden, eine große Belastung.

Am zweiten Ostertag des Jahres 1947 wurde für die Gemeindemitglieder des Stadtbezirks Knerling / Tiergarten zum ersten Mal eine Messe in ihrem Stadtteil gefeiert: Der Inhaber der Gaststätte "Am Papenberg" stellte der katholischen Gemeinde einen Raum zur Verfügung, den die Gläubigen bis 1949 nutzten.

Im Sommer 1949 wurde dann eine Baracke gekauft, die am Tiergarten als Notkirche errichtet wurde. Eine Tochtergemeinde begann zu entstehen. Im Jahr 1964 hatten die Gemeindemitglieder bereits so viele Kirchenbauspenden gesammelt, dass die geforderte Eigenleistung vorhanden war, um eine richtige Kirche zu errichten.

Am 23. Mai 1966 wird die "Waldkapelle am Tiergarten" abgerissen. An ihrer Stelle soll die neue Kirche "Vom Frieden Christi" nach einem Entwurf des bekannten Kölner Architekten Hans Schilling erbaut werden. Die Messen werden solange in der benachbarten evangelischen Melanchthon-Kirche gefeiert.

Ende Januar 1967 beginnen die Ausschachtungsarbeiten.

Am 19. August 1967 erfolgte die Grundsteinlegung durch Dechant Paul Solbach aus Plettenberg.

Am 25. Mai 1968 wird - nur knapp 400 Meter Luftlinie entfernt, aber auf der anderen Seite der Lenne - im Bezirk Mühlendorf der Grundstein für eine dritte katholische Kirche in Altena ("St. Thomas Morus") gelegt.

Am 14. Juli 1968 kann in der neuen Kirche "Vom Frieden Christi" der erste Gottesdienst gefeiert werden und am 26. Oktober 1968 konsekriert Bischof Dr. Franz Hengsbach aus Essen die Kirche "Vom Frieden Christi".


Die Kirche hat 200 Sitzplätze sowie einige Gemeinderäume über der Sakristei.

In Planung war neben der Kirche "Vom Frieden Christi" übrigens auch der Bau eines Pfarrhauses - dieses Vorhaben wurde aber nie realisiert.

 

Am 1. Dezember 1975 tritt die neue Gebietsstruktur in der katholischen Pfarrei Altena in Kraft: Aus der Pfarrei St. Matthäus werden die beiden neuen Kirchen gemeinsam als Expositur abgetrennt. Die Kirche "Vom Frieden Christi" wird dabei als Filialkirche der Expositur "St. Thomas Morus" zugeordnet.


In der Kirche werden seit 1993 sonntags keine katholischen Messen mehr gefeiert, seit 1994 auch keine Werktagsmessen. Das Gotteshaus wurde zunächst noch aufgrund der hervorragenden Akustik als Raum für Konzerte genutzt, schließlich aber von der katholischen Pfarrei ganz aufgegeben.


Am 24. Juni 1995 wurde die nicht mehr benötigte Kirche mit einem Konzert offiziell verabschiedet. Seitdem ist die katholische Kirche "Vom Frieden Christi" an die neu entstandene serbisch-orthodoxe Gemeinde in Altena vermietet. Sie nutzt das Gebäude jetzt für ihre Gottesdienste und als Gemeindezentrum.

 

Zurück zur Siedlung:

Die Graf-Eberhard-Straße führt nach der Kirche weiter den Berg hinauf.

Etwa 100 Meter nach der Kirche geht links die Graf-Diedrich-Straße als Sackgasse ab. Am Wendeplatz führt ein Waldweg, der oberhalb der Bahnhofstraße verläuft, zum Behördenviertel.

Die Graf-Eberhard-Straße endet 500 Meter nach der letzten Einmündung in einem Wendeplatz. Von dort führen zwei Waldwirtschaftswege über den Lattenberg in die Brachtenbecke, nach Großendrescheid oder das Rahmedetal.

 


Klaus Möscheid beschreibt in seinem Buch „Aufzeichnungen eines 70-jährigen Lebens“ aus dem Jahre 2013 das Leben an Tiergarten und Knerling in der Zeit vor, während und nach dem zweiten Weltkrieg: Auszüge aus dem Buch finden Sie hier unter dem Schlagwort Knerling

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Autor: Christian Klimpel / 2016; Mailto: christian.klimpel@gmx.de

Fotos: Unbekannte Fotografen