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Schützenlexikon

Zur Rastatt


Übersicht

1. Allgemein

2. Heute in Altena

3. Geschichte

4. Die Gaststätte und ihre Wirte

5. Das Haus und die Schützen

6. Zusatzinformationen

 

 


zu 1.: Allgemein

Eine Recherche bei Google ergab, dass "Rastatt" der Name zahlreicher Gasthöfe und Hotels sowie einer Stadt in Baden-Württemberg ist.

"Zur Rastatt" ist eine Gaststätte mit Gästezimmern im Haus Hagener Straße 4 im Ortsteil Nachrodt-Obstfeld.


zu 2.: Heute in Nachrodt

Das Gebäude Hagener Straße 4 gehört der Gemeinde Nachrodt-Wiblingwerde. Das Hotel Restaurant "Zur Rastatt" wird von der Gemeinde verpachtet. Die Räume und Säle bieten Platz für 200 Personen.

Im Frühjahr 2017 stellte ein Gutachter Schimmel und Pilze in der Haussubstanz fest. Für die Gäste des Hauses bestehe dadurch jedoch keine Gefahr. Die Gemeinde Nachrodt-Wiblingwerde prüft zur Zeit, wie sich die Zukunft des Gebäudes entwickeln kann.


zu 3.: Geschichte

Über die Geschichte des Hauses liegen dem Autor zur Zeit keine Informationen vor.


zu 4.: Die Gaststätte und ihre Wirte

Über die Geschichte der Gastwirte ist zur Zeit nur wenig bekannt. Die nebenstehende Aufnahme ist unbekannten Datums. Fest steht aber, dass der Besitzer und Wirt der "Rastatt" damals Josef Zurnieden hieß.

Aktuell gehört das Haus der Gemeinde Nachrodt-Wiblingwerde. Die Gaststätte wird von Anke Ahlers bewirtschaftet.


zu 5.: Das Haus und die Schützen

1973 dehnte die Kompanie Kelleramt der Friedrich-Wilhelms-Gesellschaft ihr Einzugsgebiet bis Helbecke-Opperhusen und Einsal in Nachrodt-Wiblingwerde aus.

Die dortigen Schützen gründeten den 5. Zug der Kompanie Kelleramt und marschierten erstmals beim Schützenfest 1973 mit.

Zuvor gab es eine Werbeveranstaltung in der Gaststätte "Zur Rastatt", bei der die Fotografen Baltruschat und Löffler einen Farbtonfilm über die vergangenen Schützenfeste zeigten.

Zugführer von 1976 bis 1982 wurde Einhard Jochheim, der in Nachrodt die Gaststätte "Bergschänke" betrieb. Dort fand auch das Kränzebinden statt. Nachdem die "Bergschänke" geschlossen wurde, fanden die Kränzebinder/innen ihr Kränzebinderlokal im Gasthaus "Zur Rastatt".


zu 6.: Zusatzinformationen

Das Altenaer Kreisblatt berichtet seit 2017 regelmäßig über Probleme an der Gebäudesubstanz:

16.03.2017, Johannes Bonnekoh:
Keine Gefahr für die Gäste und Nutzer: Sorgenkind „Zur Rastatt“ – Schimmel und Pilze überall

Für Restaurant-, Hotel- oder Saal-Gäste besteht aktuell keine Gefahr. Und doch entwickelt sich Nachrodts-Traditionsgasthof „Zur Rastatt“ zum großen „Problemkind“ für die Gemeinde. Das Gebäude weist derartige Bauschäden auf, dass schon ein Millionen-Euro-Aufwand nötig ist, um das Haus wieder auf Vordermann zu bringen.

Doch ist das wirklich sinnvoll? Wäre nicht ein Abriss und Neubau an dieser Stelle – dann vielleicht als Mehrzweckgebäude mit Ratssaal, Verwaltungssitz und Gastronomie (Ratskeller) – eine zukunftsweisende Alternative? Fragen, die wohl kein Nachrodter Politiker aus dem Bauch heraus beantworten will und kann. „Denn eines liegt auf der Hand“, sagte beispielsweise der stellvertretende Vorsitzende des Plan- und Bauausschusses, Matthias Lohmann (SPD), vor diesem Gremium am Montag, 13. März: „Das Gebäude Rastatt hat eine Funktion für die Gemeinde.“

Sanierung nötig

Dass die prekäre Sanierungs-Situation um das Haus, seine vielseitige Nutzung als Gaststätte, Hotel und Tagungsraum für den Rat oder die Ausschüsse der Gemeinde, überhaupt öffentlich wurde, ist Peter Herbel (CDU) zu verdanken. Der langgediente Ratsherr wollte es nicht hinnehmen, dass alles rund ums „Problemkind Rastatt“ unter den Plan- und Baupolitikern quasi in nichtöffentlicher Sitzung „ausklamüsert“ werden sollte. „Herr Vorsitzender, das gehört heute öffentlich diskutiert“, mahnte er Montag, 13. März, Gerd Schröder (SPD). Der hatte das Reizthema bis dato unter dem nichtöffentlichen Tagesordnungspunkt „Grundstücksangelegenheit“ geführt. Herbel setzte sich auch dank Rückendeckung durch Verwaltungschefin Birgit Tupat durch.

Herbel: "Das interessiert die Öffentlichkeit"

Dann aber ging es Schlag auf Schlag: Gutachter Holger Selve vom Ingenieurbüro IHS aus Altena war schonungslos offen, wie es sein Auftrag ist, als er in die Diskussion einstieg. Er stellte fest:

1. Der Keller des Gebäudes ist feucht.

2. Das bisher dort untergebrachte Gemeindearchiv wurde schon ausgeräumt. Zahlreiche Akten, bereits von Schimmel befallen, mussten aufwendig desinfiziert werden, um sie für die Nachwelt zu retten.

3. Es gibt zudem Schimmel- und Pilzbefall in vielen Nebenräumen der Rastatt. Besonders der Dachboden ist extrem von Schimmel und Pilz angegriffen. Großflächig befallen sind die Balkenlagen.

4. Der Spitzboden des Gebäudes ist so geschädigt, dass die freiliegenden Holzbalken schon eine weiße Pilz-Farbe tragen.

Ursache für all diese Dinge sind Schädlinge und eine immense Feuchtigkeit, die sich über die Jahre angesammelt hat und nicht austreten konnte, sowie ein undichtes Dach. „Das hat ein Alter, das eine Sanierung zwingend erforderlich macht. Ich gehe sogar so weit zu sagen, dass es Sinn machen würde, es nach jedem Hagelschlag auf undichte oder beschädigte Pfannen durchzusehen, um keine weiteren Schäden zuzulassen“, so der Gutachter. Das IHS-Ingenieurbüro veranlasste zwischenzeitlich Luftmessungen, um gesundheitliche Belastungen aufgrund des Pilz- und Schimmelbefalls für Personal und Gäste innerhalb des Hauses und besonders im großen Saal auszuschließen. Ergebnis: „Ein Aufenthalt im Saal ist unbedenklich. Noch“, so Holger Selve. Aber es sei dringender Handlungsbedarf gegeben.

Lars Wygoda (CDU): "Keine Kapitalanlage"

So müsse unter anderem das Dach neu gedeckt werden. Der Unterschlag an der Gaststätte ersetzt, Farbabplatzungen an der Traufe und der Dachstuhl ganz ersetzt werden. “ Wer das Dach oder den Dachstuhl anfasse, müsse dann aber nach neuesten energetischen Maßnahmen handeln und neu bauen. „Das ist vom Gesetzgeber zwingend vorgeschrieben.“ Dach, Dachstuhl, Malerarbeiten, Schwamm- und Schimmel- sowie Pilz-Bekämpfung, Trockenlegung des Gebäudes, ein Austausch der Fenster und möglicherweise weitere Modernisierungen in den Hotelzimmern oder Nasszellen durchzuführen, das geht ins Geld. Ruck zuck summierte sich der Aufwand nahe der 1 Million-Euro-Grenze. Lars Wygoda, CDU-Fraktionschef: „Die Rastatt war nie eine Kapitalanlage für die Gemeinde.

Aber wir brauchen ein Gebäude. Vielleicht sollten wir erst einmal den Verkehrswert ermitteln lassen?“ Das sei doch nur ein hypothetischer Wert, hielten dem CDU-Politiker andere Baupolitiker entgegen. „Was wir brauchen ist eine Investition“, so Matthias Lohmann (SPD). Die Funktion für die Gemeinde, aber auch als Gaststätte, müsse erhalten bleiben. Das sah auch Michael Schlieck (CDU) so. Der stellvertretende Bürgermeister lehnte sich mit der Empfehlung: „Wir brauchen die Rastatt“ weit aus dem Fenster. Denn bis dahin gab es durchaus Stimmen, die einen kompletten Abriss und einen Neubau an dieser Stelle forderten. Angesichts der momentan niedrigen Zinsen sei das vielleicht ein gangbarer Weg. Wie auch immer die Nachrodter Politiker sich entscheiden: „Sie haben nicht wahnsinnig viel Zeit!“, gab ihnen Gutachter Holger Selve mit auf den Weg in die Fraktionen. Übrigens: Wer sich erinnert, dass vor mehr als 15 Jahren umfangreiche Sanierungen und Umbauten in den Hotelzimmern erfolgten, liegt zwar richtig. „Aber auch in diesem Bereich müssen wir über jeden damals gemachten Handschlag schauen. Da stimmt einfach einiges nicht“, blieb IHS-Sprecher und Gutachter Holger Selve etwas nebulös in Sachen möglicher Schuldzuweisung.

 

28.07.2017, Susanne Fischer-Bolz:
Investoren stehen in den Startlöchern: 2,5 Millionen am Standort investieren – Gemeindeverwaltung wartet aufs Gutachten

So wirklich amüsiert ist Bürgermeisterin Birgit Tupat nicht: Noch immer wartet die Gemeindeverwaltung auf das Gutachten der Architekten MTT Trimpop Trompetter aus Lüdenscheid, die den Sanierungsbedarf sowohl für das Amtshaus als auch für die Rastatt einschätzen wollen.

„Wir werden ständig vertröstet“, so die Bürgermeisterin. Dabei steht einiges auf dem Spiel. Und in den Startlöchern stehen Investoren, die darauf warten, dass die Rastatt abgerissen wird. Nach Einschätzung eines Schimmel-Experten kann die Rastatt durchaus saniert werden.

Erhebliche Bauschäden

Allerdings sieht auch er offenbar die Notwendigkeit einer Dacherneuerung. Die Verwaltung hat einen Fragenkatalog an den Schimmel-Experten geschickt, da einige Dinge unklar waren. Die Vorschläge der alternativen Sanierung seien an mancher Stelle nicht einleuchtend gewesen. 

Und Gutachter Holger Selve vom Ingenieurbüro IHS aus Altena hatte ohnehin schonungslos von erheblichen Bauschäden gesprochen und allen Beteiligten einen Millionen-Euro-Aufwand für eine Sanierung in Aussicht gestellt. 

Interesse an komplettem Neubau

Nun könnte die Einschätzung von MTT Lüdenscheid alles entscheidend sein. „Wir wollen uns nicht nachsagen lassen, dass es andere Möglichkeiten oder kostengünstigere gibt, die wir nicht bedacht haben“, erklärt Bürgermeisterin Birgit Tupat die Verpflichtung eines weiteren Experten. 

Unterdessen hat sich eine Investorengruppe gemeldet, die ihr Interesse an einem kompletten Neubau verkündet hat. Wenn die Rastatt abgerissen werde, könne man sich dort einen Komplex mit Gastronomie und Saal vorstellen. 

Ratsmitglieder informiert 

Zudem sollen Arztpraxen „oben“ einziehen. Die Ratsmitglieder sind über die Gedankenspiele informiert. Nach AK-Informationen wollen die Investoren – drei an der Zahl – in einer nichtöffentlichen Sitzung des Rates über ihre Pläne berichten. 2,5 Millionen wollen sie angeblich investieren. 

Die Gemeinde soll das Gelände „plan“ übergeben. Ob sie das tut? Und wenn, rechnet sich das Vorhaben für die Investoren? MTT Lüdenscheid waren für eine Stellungnahme nicht erreichbar.

 

25.01.2018, Susanne Fischer-Bolz:
Sorgen in Nachrodt-Wiblingwerde – Ende der Rastatt? Anke Ahlers wirft im Oktober 2019 das Handtuch

Sie wirft das Handtuch? Ja. Aber nicht jetzt und sofort. Der Pachtvertrag für die Rastatt läuft im Oktober 2019 aus – und dann möchte – oder besser muss – sich Anke Ahlers von der Gaststätte und von ihrem Traum verabschieden. Dass ein paar Tage vor Weihnachten eine Pachterhöhung ins Haus flatterte – inklusive einer deftigen Nachzahlung für 2017 – hat das Fass wohl zum Überlaufen gebracht. Ist dies das Ende der Rastatt?

Sechs Tage vor Heiligabend: Post von der Gemeinde. Der Verbraucherpreisindex hat sich erhöht. Eine Klausel im Pachtvertrag rechtfertigt die Erhöhung und auch die Nachzahlung, verkompliziert aber die Situation. Denn seit Monaten ist die Bausubstanz der Rastatt in aller Munde. Sanierungskosten in schwindelerregender Höhe und sogar ein Abriss wurden und werden immer wieder diskutiert. Mittendrin eine verunsicherte Pächterin – und ebenso verunsicherte Gäste.

„Das ist nicht glücklich gelaufen“, sagt Bauamtsleiter Dirk Röding zur Pachterhöhung, die allerdings nicht zurückgenommen wird.

Stattdessen möchte die Gemeinde die Pächterin anderweitig unterstützen. Denn nachdem auf der Suche nach Schimmelspuren Raumluftmessungen im Saal der Rastatt durchgeführt wurden, soll Anke Ahlers nun den Saal permanent heizen. „Es ist nicht so dramatisch, dass man den Saal schließen müsste, aber man muss einige Dinge ändern, um auf die sichere Seite zu kommen“, so Dirk Röding. Heizen, Putzen, Lüften. Aktuell wird der Saal einmal in der Woche für den Gesangverein auf wohlige Temperaturen gebracht – jetzt soll er permanent warm sein. Folge: Die Heizkosten werden steigen. Drastisch. Und daran möchte sich die Gemeinde beteiligen, was augenscheinlich im nichtöffentlichen Teil der Ratssitzung diskutiert wurde.

Und doch: Was bleibt, sind Kosten, Kosten, Kosten. „Jedes Jahr mehr Geld für Strom, mehr Geld für Gas, mehr Pacht. Die Rastatt war mein Traum, den ich auch gelebt habe. Doch ich stelle fest, dass ein Überleben so nicht mehr möglich ist“, sagt Anke Ahlers. Die Kosten fressen sie auf. Hinzu komme, dass sich das Freizeitverhalten der Menschen verändert habe. Der Thekenbetrieb läuft schlecht, nur noch drei oder vier Stammtische kommen, die Raucher trinken ihr Bier lieber zu Hause. „Das wird nicht schöner“, weiß Anke Ahlers. Nur die Vereine kommen noch. Kommen gerne – wie unter anderem Frohsinn, Kelleramt, Bürgerbus. Die Rastatt ist Treffpunkt – der Einzige weit und breit.

„Aber wenn hier von Grund auf saniert wird oder gar ein Neubau hinkommt, wie hoch soll denn dann die Pacht sein?“, glaubt Anke Ahlers nicht daran, dass sie das stemmen könnte. „Ich gehe mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Ich hätte die Rastatt gern bis zur Rente gemacht, aber ich freue mich auch auf ein ganz normales Leben.“ Dafür hat sie auch schon eine Wohnung in Altena angemietet. „Wir brauchen ein Zuhause“, sagt die Rastatt-Pächterin mit Blick auf ihre Tochter.

Eine Million Euro sind im Haushalt für die Sanierung der Rastatt eingeplant. Doch die Kommunalpolitiker haben sich einmütig dafür ausgesprochen, zunächst eine Art Bestandsaufnahme für alle Immobilien der Gemeinde voranzutreiben. Alle Gebäude sollen umfassend untersucht werden. „Bevor das nicht abgeschlossen ist, wird kein Auftrag vergeben“, sagt Bauamtsleiter Dirk Röding, der das Ende der Rastatt aufgrund des Rückzuges von Anke Ahlers so noch nicht sieht. „Doch es wäre natürlich fatal, wenn wir eine Million investieren würden und dann einen Pächter suchen, den wir nicht finden“, sieht Dirk Röding durchaus dunkle Wolken am Himmel.

Für Bürgermeisterin Birgit Tupat ist die Aussage von Anke Ahlers, nach 2019 nicht weitermachen zu wollen, eine ganz neue Situation – und alle Pläne rund um die Rastatt müsse man nun in einem anderen Licht sehen. „Wir werden jetzt schnellstmöglich das Gespräch mit Anke Ahlers suchen. Ich finde es schade, wenn sie geht. Für Nachrodt und auch für Anke Ahlers selbst. Sie ist ja mit viel Idealismus daran gegangen. Und ich habe immer den Hut davor gezogen, wie sie die Rastatt alleine stemmt.“

 


Autor: Christian Klimpel / 2018; Mailto: christian.klimpel@gmx.de

Foto 1: Frank Vincentz / 2015

Foto 2+3: Unbekannt / Postkartenmotive 

Foto 3: Othlinghaus / 2012