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Schützenlexikon

Zur Uhle

"Zur Uhle" ist eine ehemalige Gaststätte mit Saalbau in der Brachtenbecke.

 

Die Wirte

Über die Wirte der Traditionsgaststätte "Zur Uhle" liegen zur Zeit nicht viele Informationen vor: 1899 wurde das Gasthaus von H.D. Bergfeld bewirtschaftet. 1949 wurde das Haus unter dem Namen "Wilhelm Bergfeld" betrieben. Von etwa 1962 bis 1996 bewirtschaftete Anita Keratis die Gaststätte gemeinsam mit ihrem Ehemann. Im Jahre 1997 schloss das Ehepaar Keratis die Gaststätte und verkaufte sie im gleichen Jahr an Claudia und an Nejib Dahmann. Die renoviert das Haus umfangreich und feiert im April 1998 Eröffnung. Nach dem Schützenfest 2009 verstarb Nejib Dahmann und die "Uhle" musste schließen. Seine Witwe stellte die Räumlichkeiten noch einmal für das Kränzebinden 2012 zur Verfügung, so dass die Schützen hier in Eigenregie feiern konnten. Anschließend trieb sie den Verkauf des Gebäudes mit Nachdruck voran. Seitdem ist in dem Gebäude keine Gaststätte mehr.

 

Die "Uhle" als Kränzebinderlokal

Mit der Gründung der Kompanie Kelleramt im Jahre 1950 fand das Kränzebinden auch nun auch in "Zur Uhle", ein anderes Mal im "Gasthaus am Papenberg" statt. Jedoch feierte die Züge 1+2 seit je her gemeinsam. Nach dem die Gaststätte "Am Papenberg" 2002 geschlossen wurde, fanden alle Veranstaltungen in der Schankwirtschaft "Zur Uhle" statt. 2012 schloss mit der Gaststätte "Zur Uhle" jedoch das letzte Gasthaus für die Züge 1+2 der Kompanie Kelleramt. Die Schützen binden ihre Kränze seit 2015 in der Knerlingschule.

 

Männergesangsverein und Kegelvereine

Der Männergesangsverein (MGV) Brachtenbecke hatte seine Heimat in der "Uhle". Der letzte Vorsitzende war Klaus Löttgers. Nachwuchssorgen führten 2008 dazu, dass der MGV seine Aktivitäten einstellen musste.

Auch Kegelvereine trafen sich regelmäßig in der "Uhle". Am 02.01.2018 berichtete Ina Hornemann im Altenaer kreisblatt über den "Kegelverein Schwagerschaft":

Die Kegel-Könige der Brachtenbeck und ihre prunkvolle Kette

Eine Königskette verbinden die Altenaer traditionell mit dem örtlichen Schützenwesen. Als Kreisarchivar Ulrich Biroth seinen Vortrag über die alten Gaststätten vorbereitete, da stieß er auf den Kegelclub „Schwagerschaft“ in der Gaststätte „Zur Uhle“ und ein ganz besonderes Exponat: Die Brüder hatten ihrem Kegelkönig zu Ehren ihre eigene Kette geschmiedet. Sie enthält sowohl Ordens- und Ehrenabzeichen, wie auch eine große Auswahl an Notgeldmünzen.

Wie genau dieses außergewöhnliche Stück ins Kreisarchiv gelangt ist, das weiß Ulrich Biroth nicht. „Die Kette war bereits da, als ich 1986 meinen Dienst angetreten habe.“ Weil dem Exponat aber ein umfangreiches Protokollbuch beigefügt worden ist, kann es problemlos dem Kegelclub „Schwagerschaft“ zugeordnet werden. Gegründet wurde der am 18. Mai 1922 im Kegelheim Uhle in der Brachtenbeck, Vorsitzender war über viele Jahre Hermann Welsholz.

Weitere Namen aus den Protokollbüchern lassen erahnen, dass sich der Club weitgehend aus dem Altenaer Mittelstand zusammensetzte. Auch die Aktivitäten über das kegeln hinaus lassen darauf schließen, dass es sich nicht um einen Arme-Leute-Verein gehandelt hat. Allein im Jahr 1926, so steht es im Jahresbericht, unternahmen die Freunde Ausflüge nach Frankfurt am Main, Wiesbaden, Assmannshausen, Niederwald, Bacharach, Königswinter und Köln.

Königsfeste feierte die Schwagerschaft allein vier Mal im Jahr - inklusive „Krönung und Huldigung des Volkes“. In jedem Quartal wurden „Hoheitszeichen“ an den neuen König abgegeben und von Regent Karl Schulze steht geschrieben, dass er zu den strengen Herrschern gehörte, während „Oberschwager“ Heinrich Schmidt sich durch milde Regentschaft auszeichnete.

Die Königskette lässt darauf schließen, dass die „Schwagerschaft“ auch die Kriegsjahre überstanden hat. Darauf deutet hin, dass in ihr auch eine Helgoland-Gedenkmünze aus dem Jahr 1952 verarbeitet wurde.

Alle verwendeten Münzen, darunter auch eine Manfred von Richthofen-Medaille, wurden angebohrt, um Kettenglieder daran zu befestigen. „Die einzelnen Stücke sind dadurch natürlich im Wert gesunken. Unbeschädigt wäre manche dieser Prägearbeiten bestimmt 20 Euro wert. Notgeld wird heute auch noch gesammelt und je nach Zustand gut gehandelt. In der Kette sind sowohl schwere, als auch ganz leichte Aluminiummünzen verarbeitet worden“, erklärt Ulrich Biroth.

Besonders Interessant findet der Archivar, dass die „Schwagerschaft“ schon ganz früh den dekorativen Charakter von Drahtrollen entdeckte: Hunderte Altenaerinnen tragen die aus dem Hause Betzler gefertigten Schmuckstücke an Hals, Ohr und Handgelenk und der Brachtenbecker Kegelclub brachte weit vor der Erfindung dieser Kollektion eine kleine Drahtrolle an seiner Königskette an. Hinzu kam ein kleines Zieheisen, das die Stellung des Drahts in Altena weiter unterstrich.

Im Kreishaus an der Bismarckstraße ist die Kette 2017 nach einigen Jahren erstmals wieder ans Tageslicht gekommen im Rahmen der Gaststättenausstellung. Nebst einem hübschen Kristallglaskrug, den die Schwagerschaft anfertigen ließ und der im Wechsel von den Mitgliedern genutzt werden durfte. Fotos beider Exponate befinden sich in der Kreisbilddatenbank „Canto Cumulus“, das auch dazu dient, weitere Informationen zur Stadt- und Kreisgeschichte zusammenzutragen.

Wer Weiteres zum Kegelclub „Schwagerschaft“ oder seiner Königskette mitteilen kann, kann das bei Kreisarchivar Ulrich Biroth gerne tun: Per Telefon unter 02352/966-7059 oder per E-Mail an u.biroth@maerkischer-kreis.de.

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Autor: Christian Klimpel / 2018; Mailto: christian.klimpel@gmx.de

Fotos: Unbek.