Noch 35 Tage bis zum Schützenfest!

Schützenlexikon

Zur Uhle


Übersicht

1. Allgemein

2. Heute in Altena

3. Geschichte

4. Die Gaststätte und ihre Wirte

5. Das Haus und die Schützen

6. Zusatzinformationen

  • Männergesangsverein (MGV)
  • Kegelverein Schwagerschaft

 

 


zu 1.: Allgemein

Das Haus "Zur Uhle" ist eine ehemalige Gaststätte am Brachtenbecker Weg 44.

Wie die Gaststätte an ihren ungewöhnlichen Namen kam, ist heute nicht mehr bekannt. Eine Internetrecherche ergab vier Theorien für die Namensableitung:

1. Eule: Viele Menschen verbinden das Wort "Uhle" mit einer Eule. Namensforscher sind jedoch der Meinung, dass es eine Volksetymologie ist, dass sich das Wort "Uhle" von der "Eule" ableitet.

2. Familienname: Uhle ist ein Familienname im deutschsprachigen Raum.

3. Bierkrug: Das Wort "Uhle" leitet sich von "Aule" ab, ist also die alte Bezeichnung für den Tonkrug oder tönernen Bierkrug.

4. Potthucke: Uhles ist ein Kartoffelkuchen. Man isst ihn im südlichen Rheinland und nennt ihn dort auch Döppekuchen oder Dööpekooche, was so viel wie Topfkuchen heißt. Das Rezept erinnert stark an die "Sauerländer Potthucke".


zu 2.: Heute in Altena

Seit 2010 befindet sich keine Gaststätte mehr in dem Haus. Mittlerweile wird das Gebäude privat genutzt.


zu 3.: Geschichte

Über die Geschichte des Hauses vor 1899 ist dem Autor zur Zeit nichts bekannt. Die Nutzung als Gaststätte endete 2012.


zu 4.: Die Gaststätte und ihre Wirte

Im Jahre 1899 wurde das Gasthaus von H.D. Bergfeld bewirtschaftet und 1949 unter dem Namen "Wilhelm Bergfeld" betrieben.

Von etwa 1962 bis 1996 bewirtschaftete Anita Keratis die Gaststätte gemeinsam mit ihrem Ehemann. Im Jahre 1997 schloss das Ehepaar Keratis die Gaststätte.

Noch im gleichen Jahr kauften Claudia und Nejib Dahmann die "Uhle". Sie renovierten das Haus umfangreich und feierten im April 1998 Eröffnung. Nach dem Schützenfest 2009 verstarb Nejib Dahmann und die "Uhle" musste schließen. Seine Witwe stellte die Räumlichkeiten noch einmal für das Kränzebinden 2012 zur Verfügung, so dass die Schützen und Kränzebinder/innen hier in Eigenregie feiern konnten.

Anschließend trieb sie den Verkauf des Gebäudes mit Nachdruck voran. Seitdem ist in dem Gebäude keine Gaststätte mehr.


zu 5.: Das Haus und die Schützen

Mit der Gründung der Kompanie Kelleramt im Jahre 1950 beschlossen die Züge 1+2, dass sie sich gemeinsam zum Kränzebinden treffen wollen. Sie erkoren zwei Kränzebinderlokale, die mehr oder weniger abwechselnd besucht wurden. Das Kränzebinden fand zum Einen im Gasthaus "Am Papenberg", zum Anderen in der Gaststätte "Zur Uhle" statt.

Nachdem die Gaststätte "Am Papenberg" 2002 geschlossen wurde, fanden alle Veranstaltungen in der Schankwirtschaft "Zur Uhle" statt. Nach 2012 konnte die Gaststätte "Zur Uhle" für das Kränzebinden nicht mehr genutzt werden. Seitdem treffen sich Schützen und Kränzebinder/innen zur Vorbereitung des Schützenfestes in der ehemaligen Knerlingschule


zu 6.: Zusatzinformation

Auch andere zahlreiche Familien- und Vereinsfeiern fanden in der Gaststätte "Zur Uhle" statt. An dieser Stelle wollen wir ein paar dieser Vereine hervorheben:

 

Männergesangsverein (MGV)

Der Männergesangsverein (MGV) Brachtenbecke hatte seine Heimat in der "Uhle". Der letzte Vorsitzende war Scheffe Klaus Löttgers. Nachwuchssorgen führten 2008 dazu, dass der MGV seine Aktivitäten einstellen musste.

 

Kegelverein "Schwagerschaft"

Auch Kegelvereine trafen sich regelmäßig in der "Uhle". Am 02.01.2018 berichtete Ina Hornemann im Altenaer Kreisblatt über den "Kegelverein Schwagerschaft":

Die Kegel-Könige der Brachtenbeck und ihre prunkvolle Kette

Eine Königskette verbinden die Altenaer traditionell mit dem örtlichen Schützenwesen. Als Kreisarchivar Ulrich Biroth seinen Vortrag über die alten Gaststätten vorbereitete, da stieß er auf den Kegelclub „Schwagerschaft“ in der Gaststätte „Zur Uhle“ und ein ganz besonderes Exponat: Die Brüder hatten ihrem Kegelkönig zu Ehren ihre eigene Kette geschmiedet. Sie enthält sowohl Ordens- und Ehrenabzeichen, wie auch eine große Auswahl an Notgeldmünzen.

Wie genau dieses außergewöhnliche Stück ins Kreisarchiv gelangt ist, das weiß Ulrich Biroth nicht. „Die Kette war bereits da, als ich 1986 meinen Dienst angetreten habe.“ Weil dem Exponat aber ein umfangreiches Protokollbuch beigefügt worden ist, kann es problemlos dem Kegelclub „Schwagerschaft“ zugeordnet werden. Gegründet wurde der am 18. Mai 1922 im Kegelheim Uhle in der Brachtenbeck, Vorsitzender war über viele Jahre Hermann Welsholz.

Weitere Namen aus den Protokollbüchern lassen erahnen, dass sich der Club weitgehend aus dem Altenaer Mittelstand zusammensetzte. Auch die Aktivitäten über das Kegeln hinaus lassen darauf schließen, dass es sich nicht um einen Arme-Leute-Verein gehandelt hat. Allein im Jahr 1926, so steht es im Jahresbericht, unternahmen die Freunde Ausflüge nach Frankfurt am Main, Wiesbaden, Assmannshausen, Niederwald, Bacharach, Königswinter und Köln.

Königsfeste feierte die Schwagerschaft allein vier Mal im Jahr - inklusive „Krönung und Huldigung des Volkes“. In jedem Quartal wurden „Hoheitszeichen“ an den neuen König abgegeben und von Regent Karl Schulze steht geschrieben, dass er zu den strengen Herrschern gehörte, während „Oberschwager“ Heinrich Schmidt sich durch milde Regentschaft auszeichnete.

Die Königskette lässt darauf schließen, dass die „Schwagerschaft“ auch die Kriegsjahre überstanden hat. Darauf deutet hin, dass in ihr auch eine Helgoland-Gedenkmünze aus dem Jahr 1952 verarbeitet wurde.

Alle verwendeten Münzen, darunter auch eine Manfred von Richthofen-Medaille, wurden angebohrt, um Kettenglieder daran zu befestigen. „Die einzelnen Stücke sind dadurch natürlich im Wert gesunken. Unbeschädigt wäre manche dieser Prägearbeiten bestimmt 20 Euro wert. Notgeld wird heute auch noch gesammelt und je nach Zustand gut gehandelt. In der Kette sind sowohl schwere, als auch ganz leichte Aluminiummünzen verarbeitet worden“, erklärt Ulrich Biroth.

Besonders Interessant findet der Archivar, dass die „Schwagerschaft“ schon ganz früh den dekorativen Charakter von Drahtrollen entdeckte: Hunderte Altenaerinnen tragen die aus dem Hause Betzler gefertigten Schmuckstücke an Hals, Ohr und Handgelenk und der Brachtenbecker Kegelclub brachte weit vor der Erfindung dieser Kollektion eine kleine Drahtrolle an seiner Königskette an. Hinzu kam ein kleines Zieheisen, das die Stellung des Drahts in Altena weiter unterstrich.

Im Kreishaus an der Bismarckstraße ist die Kette 2017 nach einigen Jahren erstmals wieder ans Tageslicht gekommen im Rahmen der Gaststättenausstellung. Nebst einem hübschen Kristallglaskrug, den die Schwagerschaft anfertigen ließ und der im Wechsel von den Mitgliedern genutzt werden durfte. Fotos beider Exponate befinden sich in der Kreisbilddatenbank „Canto Cumulus“, das auch dazu dient, weitere Informationen zur Stadt- und Kreisgeschichte zusammenzutragen.

Wer Weiteres zum Kegelclub „Schwagerschaft“ oder seiner Königskette mitteilen kann, kann das bei Kreisarchivar Ulrich Biroth gerne tun: Per Telefon unter 02352/966-7059 oder per E-Mail an u.biroth@maerkischer-kreis.de.


Autor: Christian Klimpel / 2018; Mailto: christian.klimpel@gmx.de

Foto 1: Christian Klimpel / 2018

Foto 2: unbekannt / Postkarte

Foto 3: Ina Hornemann / 2018